Das Inflationsbiest

Die Sorge vor Inflation ist begründet:

Die Zentralbanken inflationieren
die Geldmenge ungestüm, und der „Energiepreisschock“, für den vor allem
auch die „grüne Politik“ sorgt, lässt sie sich in steigenden Güterpreisen
entladen; das „Inflationsbiest“ hebt sein hässliches Haupt.

SORGE VOR INFLATION

Die Preisinflation ist da: Güter und Dienstleistungen werden merklich teurer, und
zwar auf breiter Front. Weltweit. In den Vereinigten Staaten von Amerika betrug
der Anstieg der Konsumgüterpreise im August 2021 5,3 Prozent gegenüber dem
Vorjahr, in Deutschland lag die vergleichbare Rate im September 2021 bei 4,1
Prozent, im Euroraum bei 3,4 Prozent.

Die Preisinflation übersteigt damit die 2-Prozentmarke erheblich, die als noch vertretbar angesehen wird. Ein mitunter
hitziger Wettstreit ist nun darüber entbrannt, wer die Deutungshoheit über das
Geschehen beanspruchen darf: Wer die Ursache(n) für die gestiegene Preisinflation
benennt, und vor allem wer die weitere Entwicklung der Güterpreisinflation
in der Öffentlichkeit glaubhaft vermittelt.

Es stehen sich gegenüber: Auf der einen Seite befinden sich die Menschen, die in
ihrem tägliche Leben bemerken, dass die Kaufkraft ihres Geldes dahinschwindet.
Sie spüren an ihrem Geldbeutel, dass die Preisinflation „real“ ist, und sie treibt
jetzt die Sorge um, dass sich die Geldentwertung verschlimmern könnte – beispielsweise
angesichts der Folgen, die die stark steigenden Energiepreise nach
sich ziehen.

Auf der anderen Seite stehen Politiker, Zentralbankräte und auch eine
ganze Reihe von Hauptstrom-Ökonomen, die beschwichtigend erklären: Die
gestiegene Güterpreisinflation ist nur eine Folge von „einmaligen“ Faktoren, die
auch nur von „vorübergehender“ Natur sind; die Güterpreisinflation werde
schon bald wieder abnehmen.

Welchen Reim soll man sich nun daraus machen als jemand, der von der Preisinflation
direkt betroffen ist – sei es als Konsument, Sparer oder Anleger? Im Folgenden
wird versucht, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Wir beginnen mit einer
Erklärung, was „Inflation“ eigentlich ist, wie man sie sinnvoll deuten kann.
Dann gehen wir auf die Ursache(n) der Inflation ein.

Dabei heben wir vor allem auch die Beziehung zwischen Staat und Inflation kritisch hervor, und wir betonen
die problematischen sozialen-politischen Folgen der Inflation. Abschließend
geben wir eine (vorsichtige) Empfehlung, wie man als Anleger auf die Preisinflation
reagieren kann.

WAS INFLATION IST

Das Wort „Inflation“ fällt dieser Tage zwar häufig, aber nicht immer ist klar, was
damit gemeint ist. Einzelne Güterpreise können mitunter stark ansteigen – wie
derzeit beispielsweise die Preise für Öl und Gas oder Baumaterialien –, doch das
ist für sich genommen noch keine Inflation.

Um Inflation handelt es sich dann – genauer sollte man von „Güterpreisinflation“ sprechen –, wenn die Preise der
Güter auf breiter Front und auch fortgesetzt in die Höhe steigen. Die unmittelbare
Folge der Güterpreisinflation liegt damit auf der Hand: Sie setzt die Kaufkraft des Geldes herab: Steigen die Güterpreise, erhält man weniger Güter und
Dienste für sein Geld. Doch wie kann es dazu kommen?

In der ökonomischen Lehre unterscheidet man üblicherweise zwischen zwei Erklärungen.
Zum einen spricht man von angebots- und oder nachfragegetriebener
Preisinflation. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn das Güterangebot knapp
ist, die Nachfrage also das Angebot übersteigt, und als Folge davon die Güterpreise
anziehen – weil Unternehmen ihre erhöhten Kosten auf die Preise überwälzen
und/oder die Güterpreise knappheitsbedingt ansteigen. Zum anderen gibt
es die monetäre Erklärung der Preisinflation.

Ihr zufolge ist die Güterpreisinflation das Resultat einer übermäßigen Geldmengenausweitung,
also einer „Geldmengeninflation“. Beide Erklärungen der Inflation
stehen sich allerdings nicht unvereinbar gegenüber. Zwar ist eine anhaltende
Güterpreisinflation ohne eine unterliegende Geldmengeninflation kaum denkbar1,
jedoch können Angebotsknappheit und Nachfrageüberhang in den Gütermärkten
sehr wohl eine Güterpreisinflation in Gang setzen, wenn die Zentralbank
das Geldangebot übermäßig ausweitet beziehungsweise ausgeweitet hat.

Genau das ist aktuell weltweit der Fall. So hat die Europäische Zentralbank die
Geldmenge M3 seit Anfang 2020 um fast 16 Prozent ausgeweitet, um die Folgen
des politisch diktierten Lockdowns zu bewältigen. In den USA hat die USZentralbank
(Fed) die Geldmenge sogar um 34 Prozent erhöht. Nicht viel anders
sieht es in vielen anderen Ländern rund um den Globus aus.

Die immer noch nicht ganz reparierten Beschädigungen der internationalen Lieferketten und die
daraus resultierende Angebotsverknappung in einigen Gütermärkten sind so gesehen
der Nährboden, auf dem sich der „Geldmengenüberhang“ in steigender
Güterpreisinflation entladen kann.

Für die Öffentlichkeit ist es jedoch nicht immer einfach, den Bezug zwischen steigenden
Güterpreisen und Geldmengenvermehrung zu erkennen. Beispielsweise
wirkt die Geldmengenausweitung häufig erst mit einer langen Zeitverzögerung
auf die Güterpreise.

Oder die statistischen Preisindizes fangen die Folgen der
Geldmengenausweitung nicht oder nur unzureichend ein. So hat es in den letzten
Jahrzehnten eine fulminante Vermögenspreisinflation (in den Aktien- und
Häusermärkten) gegeben, die aber in den offiziellen Zahlen nicht oder nicht vollumfänglich
sichtbar wurde.

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Im Grunde kann man sich die Wirkung, die die Ausweitung der Geldmenge in
der Volkswirtschaft hat, wie einen Wasserrohrbruch im Haus vorstellen. Zunächst
bekommt man gar nicht mit, dass das Rohr gebrochen ist. Dann jedoch, nach einer
gewissen Zeit, beginnt es in der einen Zimmerecke feucht zu werden, nachfolgend
zeigt sich die Nässe großflächig, weitet sich auf andere Zimmer aus, und
schließlich ist das ganze Gebäude durchtränkt. Ganz ähnlich sorgt eine Geldmengenausweitung
über die Zeit für höhere Güterpreise auf breiter Front.

DAS SPIEL MIT DER „GEZÄHMTEN“ INFLATION

Inflation ist im Grunde so etwas wie eine heimliche Steuer auf das Geld. Und
das lässt ahnen: Irgendjemand profitiert von der Inflation. Es gibt in der Tat eine
ganze Reihe von Akteuren, für die Inflation – verstanden als die Ausweitung der
Geldmenge (Ursache) und der damit einhergehende Anstieg der Güterpreise –
attraktiv ist. An erster Stelle ist der Staat zu nennen. Beispielsweise steigen in
einem inflationären Umfeld die nominalen Einkommen an.

Bei einer progressiven Einkommenssteuer (die kurzfristig meist nicht geändert wird) fallen so immer
mehr Einkommensverdiener unter einen höheren Grenzsteuersatz – und
das bedeutet, dass die realen Steuereinnahmen des Staats ansteigen, ohne dass
er eine für alle ersichtliche Steuererhöhung vornehmen muss.

Banken und Finanzdienstleister gefällt inflationäres Geld in der Regel ebenfalls
gut. Wenn ungedecktes Geld ausgegeben wird, steigt die Geldmenge in der
Volkswirtschaft üblicherweise stärker an im Vergleich zu einem Warengeldsystem,
und auch die Güterpreise gegen entsprechend in die Höhe.

Das wiederum schafft Geschäfts- und Gewinnmöglichkeiten: Es lässt sich viel verdienen im Kredit-
und Einlagengeschäft, im Handel für alle Arten von Wertpapieren, in der
Verwaltung von Vermögen, das in ungedecktem Geld denominiert ist.

Selbst Unternehmen und Arbeitnehmer haben häufig eine Schwäche für Güterpreisinflation.
In Phasen der Güterpreisinflation scheinen den Unternehmen nahezu
alle Investitionen zu gelingen. Und Arbeitnehmer sehen sich einem verbreiterten
Arbeitsplatzangebot und hohen Lohnzuwächsen gegenüber.

Die Güterpreisinflation, für die die Geldmengenausweitung sorgt, bewirkt nämlich (zumindest
anfänglich) einen künstlichen Aufschwung, und zwar durch die „Reichtumsillusion“,
für die die Geldmengenausweitung sorgt. Doch die damit verbundene
Preisinflation kann nur ein vorübergehender Ansporn für die Wirtschaftsaktivität
sein.

Denn die Güterpreisinflation entfaltet dann Schubkraft für die Wirtschaft, wenn
sie unerwartet daherkommt, wenn sie die Marktakteure überrascht. Dann fallen
die Absatzpreise, die der Unternehmer erzielt, höher aus als erwartet. Er denkt:
„Hurra, ich bin mit meinem Produkt erfolgreich! Ich baue meine Kapazitäten
weiter aus!“ Aber nicht nur er kommt in den Genuss höherer Absatzpreise, auch
alle anderen Unternehmer erfahren das gleiche Glück, und auch sie weiten ihre
Produktion aus.

Doch nachdem das neue Geld seine Wirkung entfaltet hat, flaut
die Nachfrage wieder ab. Die Unternehmer erkennen, dass ihr Erfolg nur durch
einen einmaligen Anstieg aller Güterpreise verursacht wurde. Die Party endet,
wenn es keine neuerliche Überraschungsinflation gibt.

DIE HOHEIT ÜBER DIE ERWARTUNGEN

Die Inflation lässt sich für politische Zwecke einsetzen (um Geld aus den privaten
Händen zu nehmen und es an den Staat zu geben), solange die Inflation von den
Menschen akzeptiert beziehungsweise nicht als solche erkannt wird. Eine kritische
Größe bei einer Inflationspolitik sind die Erwartungen, die die Marktakteure
über die künftige Inflation bilden. Dazu ein paar Worte. In „Normalphasen“ bildet
sich die Inflationserwartung meist mit dem Blick in den Rückspiegel:

Lag dieInflation in der Vergangenheit lange bei, sagen wir 2 Prozent, ist es wahrscheinlich,
dass die Marktakteure damit rechnen, dass die Inflation auch in der Zukunft
bei 2 Prozent liegen wird. Man spricht hier von einer „statischen Erwartungsbildung“.

Wenn die Marktakteure hingegen die Erfahrung gemacht haben, dass die Zentralbank
eine Inflation von 2 Prozent versprochen hat, während die tatsächliche
Inflation bei 3 Prozent gelegen hat, werden die Marktakteure sehr wahrscheinlich
den „Erwartungsfehler“ (in diesem Beispiel 1 Prozentpunkt: Tatsächliche Inflation
von 3 Prozent minus versprochene Inflation von 2 Prozent) fortan bei ihrer
Erwartungsbildung berücksichtigen.

Verspricht die Zentralbank zum Beispiel weiterhin
eine künftige Inflation von 2 Prozent, werden die Marktakteure mit einer
Inflation von 3 Prozent rechnen (d. h. versprochene Inflation plus Erwartungsfehler
von 1 Prozent). Man nennt das „adaptive Erwartungsbildung“.

Dann gibt es noch die „rationale Erwartungsbildung“. Ihr zufolge betreiben die
Marktakteure einen besonders großen Aufwand, um sich ein ganz genaues Bild
über die künftige Inflation zu verschaffen. Sie wollen den Erwartungsfehler so
gut es eben geht vermeiden.

Mit solch einer Erwartungsbildung ist dann zu
rechnen, wenn die Marktakteure in der Vergangenheit besonders schlechte Erfahrungen
mit der Zentralbank gemacht haben, wenn sie von der Zentralbank
immer wieder getäuscht wurden und Verluste erlitten haben.

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Die jüngst stark gestiegenen Inflationszahlen scheinen nun viele Menschen zu
beunruhigen. Sie fürchten, dass es sich vielleicht doch nicht nur um einen „Inflationsausreißer
nach oben“ handelt, sondern dass die Inflation künftig höher ausfallen
könnte, und das nicht nur vorübergehend, sondern für längere Zeit.

Das ist auch der Grund, warum sich – wie bereits eingangs erwähnt – Politiker, Zentralbankräte
und der ein oder andere Hauptstrom-Ökonomen mächtig ins Zeug legen,
um der Öffentlichkeit zu erklären, es gäbe kein Inflationsproblem, der aktuelle
Inflationsanstieg sei nur vorübergehend, und er werde sich ganz bestimmt
schon bald wieder zurückbilden.

Man will so verhindern, dass die Menschen das Vertrauen in das Versprechen der
Zentralbank, sie werde die künftige Inflation niedrig halten, verlieren. Denn
schwindet das Vertrauen, klettern die Inflationserwartungen in die Höhe. Die
Menschen legen ihren Miet-, Kredit- und Lohnverträgen dann eine höhere als die
von der Zentralbank versprochene Inflation zugrunde. Daraufhin werden die Arbeitnehmer
entsprechend höhere Löhne fordern, um entschädigt zu werden für
die erhöhte Inflation.

Das wiederum verstärkt den Druck auf die Firmen, die erhöhten
Lohnkosten auf ihre Absatzpreise zu überwälzen. Auf diese Weise kann
eine „Lohn-Preis-Spirale“ in Gang kommen, durch die die Inflationserwartungen
und nachfolgend auch die tatsächliche Inflation weiter in die Höhe klettern. Und
das kann letztlich einen „perfekten Sturm“ auslösen.

DER „PERFEKTE STURM“

An dieser Stelle lassen sich zwei Szenarien bedenken.

Szenario 1: Die Preisinflation steigt weiter in die Höhe – angetrieben durch anziehende
Energiepreise, die durch den Geldmengenüberhang finanziert werden.
Die Zentralbanken halten jedoch an ihrer ultra-laxen Geldpolitik fest. Daraufhin
steigen die Inflationserwartungen an, und nachfolgend ziehen auch Löhne und
Güterpreise an. Eine Lohn-Preis-Spirale kommt in Gang, die die Zentralbank mit
ihrer Geldmengenvermehrung weiter alimentiert.

Aus diesem Prozess kann eine Hochinflation erwachsen, die irgendwann, soll die Währung nicht untergehen,
ein Gegensteuern der Zentralbank unausweichlich macht – mit dem Ergebnis einer
schweren Finanz- und Wirtschaftskrise, einer Rezession-Depression, eines
„perfekten Sturms“ sozusagen.

Szenario 2: Die Preisinflation ebbt ab, weil die Faktoren, die den Kostenschub
maßgeblich treiben (Energiepreise), sich wieder zurückbilden. Die ganze Sache
erweist sich als ein „Inflationsbuckel“, dem eine Normalisierung der Preisinflation
nachfolgt. Die Zentralbank greift in diesen Prozess nicht ein, sie zieht die Zinsen
nicht an und reduziert auch nicht die Zuwachsrate der Geldmenge.

Die gefürchtete Lohn-Preis-Spirale bleibt aus, weil die Inflationserwartungen der Marktakteure
sich nicht erhöhen. Das Vertrauen der Marktakteure in die Zentralbank wird
nicht gestört, man vertraut weiter darauf, dass die künftige Inflation der in Aussicht
gestellten Zielinflation der Zentralbank entsprechen wird. Ein explosiver Prozess
(wie in Szenario 1) bleibt aus, der „perfekte Sturm“ wird abgewendet.

Die Zentralbankräte – die sehr wahrscheinlich um die Problematik des „perfekten
Sturms“ wissen – setzen derzeit ganz offensichtlich auf Szenario 2. Deshalb versuchen
sie (unterstützt von den Hauptstrom-Ökonomen) der Öffentlichkeit zu erklären,
der aktuelle Inflationsanstieg sei nur vorübergehend, und schon bald
werde sich die Inflation wieder zurückbilden, es sei keinesfalls mit einer Phase
stark steigender Inflation zu rechnen.

Die Zentralbanken wollen dadurch die Inflationserwartungen
niedrig halten, wollen verhindern, dass die Marktakteure
sich auf künftig höhere und weiter steigende Güterpreise einstellen.

INFLATION VERSCHLECHTERT DAS LEBEN DER MENSCHEN

Doch welches Szenario ist das relevante, das wahrscheinliche, und was bedeutet
es für Konsumenten und Anleger? Um diese Frage beantworten zu können, sollten
die folgenden drei Aspekte in Betracht gezogen werden:

[1] Energiepreisschock: Die Folgewirkungen des politisch diktierten Lockdowns
und vor allem auch der „grünen Politik“ (mit seiner bewusst herbeigeführten
Verknappung und Verteuerung von fossilen Energieträgern) führen weltweit zu
gewaltig steigenden Energiepreisen – wie an den massiven Preissteigerungen für
Öl, Gas, Kohle abzulesen ist. Normalerweise würde ein derartiger Preisschock zu
einer Verringerung der Güternachfrage führen:

Die erhöhten Ausgaben für Energie
zwingen die Menschen, entweder weniger Energie nachzufragen und/oder
auf den Kauf anderer Güter zu verzichten. (Man spricht man hier von einem
„negativen Realkasseneffekt.) Doch derzeit geht es nicht „normal“ zu, und das
führt uns zum zweiten Aspekt.

[2] Hoher Geldmengenüberhang: Seit dem Frühjahr 2020 haben die Zentralbanken
die Geldmengen drastisch ausgeweitet. So hat die US-Zentralbank die Geldmenge
seither um etwa 34 Prozent ausgedehnt, um die Folgen des politisch diktierten
Lockdowns zu übertünchen. Die EZB hat die Geldmenge M3 seit Anfang
2020 um fast 16 Prozent ausgeweitet. In anderen Volkswirtschaften der Welt
sieht es ähnlich aus.

Dadurch ist ein gewaltiger Geldmengenüberhang entstanden,
der sich im Folgenden aller Wahrscheinlichkeit in steigenden Güterpreisen
zeigen wird – in steigenden Konsumgüter- und/oder Vermögenspreisen. Der aktuelle
Energiepreisschock könnte sich daher auch besonders rasch und leicht in
einer allumfassenden starken Preisinflation niederschlagen.

[3] Zunehmender Anti-Kapitalismus: Es steht außer Frage, dass das, was von der
freien Marktwirtschaft noch übrig ist, zusehends verdrängt wird durch staatliche
Eingriffe in Form von Ge- und Verboten, Gesetzen, Besteuerung etc. Dahinter
verbirgt sich ein zunehmender Anti-Kapitalismus, der der Politik freie Hand gibt,
aus (den Resten) der ungehemmten Marktwirtschaft eine gehemmte Marktwirtschaft
zu machen.

Eine gehemmte Marktwirtschaft hat natürlich nicht die wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit einer ungehemmten Marktwirtschaft – zumal eine
gehemmte Marktwirtschaft immer gehemmter wird, bis sie im Grunde gar keine
Marktwirtschaft mehr ist, sondern nur noch eine Befehls- und Lenkungswirtschaft.
Knappheit, Mangel, Lieferverzögerungen und Verteuerung des täglichen
Lebens sind die unweigerlichen Folgen.

Vor dem Hintergrund dieser drei Faktoren liegt der Schluss nahe, dass die aktuell
erhöhte Preisinflation keine vorübergehende Erscheinung sein dürfte, sondern
das die Preisinflation künftig deutlich höher ausfallen wird als in den letzten Dekaden
– zumindest was die Konsumgüterpreisinflation anbelangt. Wenn sich diese
Einschätzung als richtig erweist, dann wird sich die Lebenshaltung der meisten
Menschen mitunter ganz erheblich verteuern, ihr Lebensstandard wird sich
dadurch spürbar verschlechtern. Werden die Menschen sich das gefallen lassen?

Werden sich die Europäer dauerhaft einer derartigen wohlstandsmindernden
Klimapolitik unterwerfen? Europa ist für nicht mehr als 10 Prozent des weltweiten
CO2-Austoßes verantwortlich, während allein China 28 Prozent der weltweiten
CO2-Emissionen verursacht. Und werden die Menschen es erlauben, dass die
Zentralbanken ihre Inflationspolitik ungehindert fortführen?

INFLATION UND GELDANLAGE

Die Zentralbanken stellen sich dem „Inflationsbiest“ bislang nicht in den Weg –
sie haben es vielmehr gezüchtet, und leider füttern sie es weiter mit ihrer chronischen
Niedrig- und Negativzinspolitik und der heftigen Ausweitung der Geldmengen.
Umsichtige Anleger sind daher gut beraten, die Inflationsproblematik
ernst zu nehmen. Bei den „Opfern“ der Inflation steht natürlich das Geld an erster
Stelle: In einem Umfeld der Null- und Negativzinsen sowie steigender Preisinflation
wird das Halten von Geld zum Verlustgeschäft.

Was sind die Alternativen? Gibt es Anlageklassen, die vor (Kaufkraft-)Verlust schützen? Eine einfache und
verlässliche Lösung, die für alle und jeden passt, gibt es jedoch leider nicht.
Nachstehend jedoch einige grundsätzliche Gedanken dazu.

Eine Möglichkeit ist das Investieren in Aktien. Allerdings ist hier zu beachten: Eine
Zunahme der Preisinflation schadet so manchem Unternehmen. Nicht wenige
von ihnen werden sich nämlich einer schwindenden Nachfrage nach ihren Produkten
gegenübersehen, da die Teuerung die Menschen zwingt, ihre Ausgaben
zu verringern, und nicht jedem Unternehmen wird es gelingen, die erhöhten
Produktionskosten auf die Absatzpreise zu überwälzen.

Ein Lösungsansatz ist daher, das Aktienportfolio breit zu diversifizieren (nach Sektoren und geographischen
Märkten), um auf diese Weise teilzuhaben an den Produktivitätsgewinnen
der Volkswirtschaften und sich zugleich (zumindest teilweise) gegen Unternehmenspleiten
und auch Geldwertschwund zu schützen.

Immobilien sind ebenfalls eine Möglichkeit, das Kapital vor dem Geldwertschwund
zu bewahren. Aber auch hier gibt es Fallstricke: Immobilien müssen
bewirtschaftet werden, sie kosten, so dass bei steigenden Preisen der Eigentümer
zusehen muss, dass die Aufwendungen nicht die Erträge aufzehren. Ein ähnliches
Vorgehen wie bei der Aktienanlage bietet sich hier an: Der Anleger kann
sich beispielsweise ein Welt-Immobilienmarkt-Portfolio zusammenstellen, im einfachsten
Fall etwa durch den Erwerb von Real-Estate-ETFs.

Das Halten von Gold und Silber (in physischer Form) ist ebenfalls eine Möglichkeit,
dass Kapital vor dem Kaufkraftschwund des Geldes zu bewahren. Auch hier
gibt es allerdings einiges zu beachten. Ein Aspekt sei kurz hervorgehoben. Die
Finanzmärkte sind mittlerweile stark von den Zentralbanken beeinflusst. Vor allem
betäuben die Geldbehörden mit ihrer Geldmengenvermehrung das Risikoempfinden
der Marktakteure.

Das hat unter anderem dazu geführt, dass Gold
und Silber – vor allem seit August 2020 – in der Gunst der Anleger gefallen sind,
und damit sind auch die Preise dieser Edelmetalle zurückgegangen; es hat so gesehen
zu „kontraintuitiven Preisbewegungen“ bei Gold und Silber geführt.

Denn obwohl die Probleme in der internationalen Geld- und Kreditarchitektur
seit dem Frühjahr 2020 gewaltig zugenommen haben – wie beispielsweise im
Anschwellen der weltweit ausstehenden Schuldenlasten zum Ausdruck kommt –,
haben Gold und Silber nicht mit steigenden Preisen reagiert. Die Gold- und Silberpreise
sind auch nicht angezogen, obwohl die Preise für viele andere Rohstoffe
merklich in die Höhe geklettert sind.

Wenn aus diesem Preisverhalten eine Lehre zu ziehen ist, dann vermutlich die Folgende: Es ist durchaus möglich, dass
unter den herrschenden Bedingungen die Preise für Gold und Silber nicht mehr
wie bisher stetig, im Einklang mit allen anderen Preisen, in die Höhe steigen.
Vielmehr können sie sich auch eine gewisse Zeit lang von der allgemeinen Preisentwicklung
abkoppeln; und die aufgelaufene „Underperformance“ wird dann
irgendwann plötzlich und schnell (aufgrund eines negativen Ereignisses) wettgemacht
beziehungsweise verwandelt sich in eine „Outperformance“.

Anders gesprochen: Derzeit scheint die Bewertung des Goldes (und auch des Silbers)
aus Sicht der Marktakteure auf die Versicherungsfunktion konzentriert zu
sein. Diese „reduzierte“ Bewertung ist jedoch langfristig betrachtet nicht angemessen,
vor allem nicht angesichts der zunehmenden Probleme in der internationalen
Geld- und Kreditarchitektur.

Insbesondere aufgrund der nach wie vor relativ
niedrigen Preise für Gold und Silber ist es daher ratsam, diese Edelmetalle im
Portfolio zu halten beziehungsweise aufzunehmen. Und mit Blick auf die lange
Geldgeschichte wäre es alles andere als verwunderlich, wenn Gold und Silber
auch künftig ihre Kaufkraft bewahren, sie mitunter sogar steigern – auch und gerade
in Zeiten, in denen das „Inflationsbiest“ sein hässliches Haupt hebt.

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