COLTENE: Exklusiv-Interview mit CEO Martin Schaufelberger – “Mittelfristig streben wir eine EBIT-Marge von 15% an!”

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Unser heutiger Interviewpartner ist der CEO von COLTENE, Martin Schaufelberger.

COLTENE ist ein Zulieferer von dentalen Verbrauchsmaterialien und Kleingeräten für die Sterilisierung von Instrumenten. Dazu ist das Unternehmen weltweit führend in der Entwicklung, Herstellung und dem Verkauf von Verbrauchsmaterialien und kleinen Geräten für Zahnbehandlungsanwendungen. Die Dental Group bietet eine sechs-Segnete-Produktpalette an, welche nahezu alle Zahnbehandlungen abdecken.

Martin Schaufelberger, CEO COLTENE

Herr Schaufelberger, der Markt wurde von Hilfsprogrammen überflutet. Erwarten Sie nachhaltige Änderungen bei den Finanzierungsbedingungen?

M. Schaufelberger: Zahnärzte kennen die Problematik von ansteckenden Krankheiten z.B. von Hepatitis, HIV oder generell durch Erkältungen schon lange und sich schützen sich effektiv. Trotzdem waren in vielen Ländern im ersten Lockdown die Praxen zu. Wir gehen davon aus, dass dies künftig nicht mehr der Fall sein wird.

In einem ersten Schritt hatten wir versucht die Liquidität anzuheben und auch die Annahme von staatlichen Krediten geprüft. Wir haben uns dann aber entschieden erst die eigene Kreditlimits zu nutzen. Nach den ersten Monaten konnten wir dadurch sehen, dass die Liquidität nicht gefährdet ist und die Cashpositionen wieder reduziert wurden.

Für uns war die Option Kurzarbeit wohl die interessanteste Unterstützungsform. Durch die übereilt geschlossenen Dentalpraxen ging der Bedarf zurück. Dies wurde von der Unsicherheit am Markt und der ungünstigen Konsumentenstimmung noch verstärkt. Mit der Kurzarbeit konnten wir an den Produktionsstandorten während den ersten 5 Monate die Produktionskapazität dem Bedarf anpassen.

Vielen Dank für diesen Einblick. Sie sind bereits auf einige Veränderungen durch die Corona-Pandemie eingegangen. Können Sie hier noch etwas konkreter werden?

M. Schaufelberger: Gerne Herr Möbus, zu Beginn hatten wir uns darauf fokussiert unsere Mitarbeitenden zu schützen und an allen Standorten die Schutzkonzepte umzusetzen. Die große Schwierigkeit bestand darin, in allen fünf Werken und in 20 weiteren Ländern, in denen wir Verkaufsmitarbeiter haben, jeweils alle neuen COVID Regelungen zu lesen.

Aufgrund der ersten Unsicherheiten und der erwähnten Sicherung von Cash hatten wir dann kurzfristig auch entschieden einen Antrag auf Halbierung der Dividenden an die GV zu stellen. Wir hatten dies als gut schweizerischen Kompromiss betrachtet und die Aktionäre sind dieser Idee gefolgt.

Im Weiteren haben wir die Lieferketten überprüft und mit erhöhten Bestellungen die Verfügbarkeit abgesichert. Im Nahhinein haben wir gesehen, dass dies nicht wirklich eine Gefährdung war. Die Warenflüsse waren nicht direkt von den COVID-Maßnahmen betroffen.

Wie eingangs erwähnt war Kurzarbeit für uns wohl die beste staatliche Hilfe. Hier war ich echt erstaunt wie rasch und flexibel dies von den Behörden gehandhabt wurde.

Da im März und April 2020 Knappheit an Desinfektionsmittel herrschte, haben wir beschlossen solches für unsere Werke und Mitarbeitenden selbst herzustellen. Wir hatten dies dann auch Firmen und Institutionen in der Region angeboten.

Unser Verkauf und Marketing konnten eine längere Zeit nicht mehr zu den Kunden reisen und fast alle Messen wurden abgesagt. Hier mussten wir sofort auf digitale Wege und Mittel umstellen.

Welche langfristigen Folgen können dadurch entstehen?

M. Schaufelberger: Wir werden wohl bald wieder vermehrt zu unseren Kunden reisen, wenn auch die Reisetätigkeit insgesamt tiefer bleiben wird als sie vor der Pandemie war. Es wird wohl weiterhin sehr wenige Messen geben. Dies wird für uns die größte Veränderung darstellen. Die digitale Bestellung der Produkte hat sich nun definitiv durchgesetzt und dies wird so bleiben.

Vielen Dank für diesen Einblick. Was unterscheidet denn COLTENE von den Wettbewerbern der Zukunft?

M. Schaufelberger: COLTENE ist ein eher kleiner globaler Player in der Branche mit einem doch sehr breiten Produktangebot. Unsere “Größe“ ist allerdings ein Vorteil, denn wir sind agil und können schneller auf Veränderungen reagieren. Wir sind in den Bereichen Infektionskontrolle, Zahnerhaltung und effiziente Behandlungshilfen tätig. Die Produkte für die Oberflächendesinfektion und die Sterilisiergeräte erfreuen sich einer großen Nachfrage und wir konnten hier in Nordamerika unseren Marktanteil in einer Wachstumsphase ausbauen.

Wir haben aber das vergangene Jahr auch genutzt uns zu fokussieren, ältere Produkte abzukündigen und die brasilianische Produktion von lokalen Produkten an einheimische Unternehmer verkauft.

Die Europäischen Behörden haben entschieden, dass bis Ende 2024 alle Medizinhersteller von der MDD (medical device directive) auf die MDR (medical device regulation) umstellen müssen. Wir waren im Januar 2020 das erste internationale Dentalunternehmen, das ein MDR Zertifikat erlangt hatte.

Im Pandemiejahr 2020 konnten wir unsere Kostenstruktur ohne Entlassungen rasch an die Bedarfsdelle anpassen, was uns erlaubte den EBIT zum Vorjahr noch zu steigern.

Vor allem aber liegt unser Vorteil darin, dass wir nahe bei unseren Kunden sind, ihre Bedürfnisse kennen, und diese zeitnah in nutzbringende Produkte umzusetzen.

Wo sehen Sie dadurch Ihr Unternehmen in 5 Jahren, Herr Schaufelberger?

M. Schaufelberger: Wir wollen im aktuellen Jahr die Integration der Ende 2018 akquirierten Unternehmen SciCan in Kanada und Micro-Mega in Frankreich abschließen und gemeinsam die Geschäftsfelder Infektionskontrolle, Zahnerhaltung und effiziente Behandlungshilfen weiter stärken und ausbauen.

Aktuell wollen wir dank innovativen Produkten und dem globalen Verkaufsteam über den Markt wachsen. Bis die Integration abgeschlossen ist konzentrieren wir uns auf organisches Wachstum.

Welche Gewinnentwicklung erwarten Sie hier?

M. Schaufelberger: Wir hatten hierzu kommuniziert, dass wir mittelfristig eine EBIT Marge von 15% anstreben. Wir hatten dies bereits vor der Akquisition schon erreicht. Für 2020 liegen noch keine geprüften Zahlen vor, aber der EBIT wird zwischen 12.7 und 12.9 Prozent liegen. Damit dürfen wir für das Pandemiejahr sehr zufrieden sein.

Zum Abschluss habe ich nun noch eine Frage an Sie: Aus welchen Gründen sollten Anleger letztendlich in Ihr Unternehmen investieren?

M. Schaufelberger: COLTENE ist in Bezug auf Produkte und Vertrieb sehr gut aufgestellt und verfügt über eine solide finanzielle Basis. Wir sind in Nischen der Dentalbranche resp. der MedTech tätig. Dieses Geschäft mit dentalen Verbrauchsmaterialien hat sich als robuster Cash-Generator erwiesen und das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren einen hohen Gewinnanteil als Dividende ausgeschüttet. Auch wenn die aktuelle Situation durch die Pandemie erhebliche Unsicherheiten birgt, so bin ich persönlich sehr zuversichtlich, dass COLTENE weiterhin großes Potential hat.

Ich bedanke mich herzlich für das Interview, Herr Schaufelberger. Darüber hinaus wünsche ich Ihnen und Ihren Mitarbeitern weiterhin alles Gute für die Zukunft!

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