Chris Iggo (AXA IM): Was bedeutet Russlands Invasion der Ukraine für die Finanzmärkte?

08.03.2022 – Die Unsicherheit darüber, was in der Ukraine passiert und welche Kollateralschäden die Weltwirtschaft letztlich davontragen wird, hält an. Wahrscheinlich ist, dass sich das Wachstum abschwächen und die Inflation weiter steigen wird. Hinzu kommt, dass die Perspektive der Geldpolitik nicht mehr so eindeutig ist, und dass sich die langfristigen Aussichten hinsichtlich der Wertpapierkosten möglicherweise ändern werden. Selbst wenn man handeln möchte, ist die Liquidität gering. Der US-Dollar und die US-Anlagen mit der größten Liquidität profitieren also und werden dies auch weiterhin tun, bis der Konflikt einen anderen Verlauf nimmt.

Sanktionen gegen Russland

Der Westen hat auf die russische Invasion mit einer Reihe von Sanktionen reagiert. So wurde Russland weitgehend vom internationalen Finanzsystem abgeschnitten. Durch das Einfrieren von Vermögenswerten und Transaktionen ist es für Russland sehr schwierig, sich in Fremdwährung zu finanzieren. Es ist wahrscheinlich nicht übertrieben zu behaupten, dass die russische Wirtschaft kollabiert.

Steigende Militärausgaben

In einem historischen Sinneswandel hat Deutschland angekündigt, seine Verteidigungsausgaben drastisch zu erhöhen. Andere Nationen in Europa werden wahrscheinlich dasselbe tun, um sich vor einem weiteren Expansionskurs Russlands zu schützen. Das bedeutet aus Investorensicht: Die Ausgaben für militärische Ausrüstung, logistische Systeme, Munition und Technologie werden steigen. Davon werden die Sektoren Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung, Transport und Technologie profitieren. Dies wirft aus ESG-Sicht jedoch Fragen auf. In der modernen Kriegsführung geht es nicht nur um Panzer und Raketen – auch wenn der aktuelle Konflikt uns daran erinnert, dass sie immer noch im Mittelpunkt territorialer Ambitionen stehen – , sondern auch um Technologie und ihre Anwendung in der Cyber-Kriegsführung. Die Identifizierung von Vermögenswerten, die zu diesen Aktivitäten beitragen, ist möglicherweise nicht so einfach.

Anzeige

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Christina Lake Cannabis?

Höhere Kreditaufnahme könnte drohen

Die Frage, was höhere Militärausgaben für die Staatsausgaben und -defizite bedeuten, ist für Anleger ebenfalls relevant. Handelt es sich um eine mehrjährige Erhöhung der Ausgaben, damit die westlichen Länder über eine ausreichende militärische Verteidigungsfähigkeit verfügen? Zusätzliche Verteidigungsausgaben in Höhe von ein bis zwei Prozent des BIP oder sogar mehr sind nicht unerheblich. Sie könnten den Kreditbedarf des Staates erhöhen und künftig zu höheren Zinssätzen führen.

Die Energiewende nicht aufschieben

Um eine größere Energiesicherheit zu erreichen, sind auch verstärkte Investitionen in Alternativen zu russischem Gas und Öl erforderlich. Das erfordert natürlich höhere Investitionen in erneuerbare Energien, könnte aber auch bedeuten, dass mehr in Kernenergie und Anlagen für den Import von Energiequellen wie Flüssiggas aus anderen Teilen der Welt (insbesondere dem Nahen Osten) investiert wird. Nichts von alledem kann schnell geschehen, daher die enorme Risikoprämie auf den heutigen Energiepreisen. Dies trägt zu einer höheren Inflation bei und könnte eine dauerhaft höhere Inflationsrisikoprämie in den Zinssätzen bedeuten. Die Energiewende wird vermutlich zu niedrigeren Energiepreisen führen (was gut für das Wachstum ist) und zu mehr Energiesicherheit. Die Unterbrechung der Energiewende durch den Krieg und die Notwendigkeit, kurzfristig höhere Preise zu bekämpfen, verzögert diese Entwicklung.

Reale Renditen sinken wieder

Anzeige

Gratis PDF-Report zu Christina Lake Cannabis sichern: Hier kostenlos herunterladen

Die Realrenditen sind seit Beginn des Krieges gesunken und die Märkte wurden geringfügig mehr von der Flucht in Qualität als von der Inflations- und Zinserhöhungssorge angetrieben. Zu den Anlageklassen, die sich seit Beginn der Invasion am besten entwickelt haben, zählen inflationsgebundene Euro-Anleihen, Staatsanleihen mit langer Laufzeit, US-Aktien mit mittlerer Marktkapitalisierung, der Nikkei und Value-Aktien im Allgemeinen. Am schlechtesten schnitten europäische Aktien, asiatische Anleihen und festverzinsliche Wertpapiere aus Schwellenländern ab (auch wenn Russland und die Ukraine zusammengenommen nur einen kleinen Teil der Indizes ausmachten). Vom Zeitpunkt der Invasion bis zum Börsenschluss am 3. März betrug beispielsweise der Unterschied zwischen der Performance asiatischer Hochzinsanleihen und der Performance europäischer inflationsgebundener Anleihen 6,5 Prozent.

Stärker differenzieren

Die Liquidität ist aktuell gering, was die Unsicherheit und die Auswirkungen der Sanktionen auf das globale Finanzsystem widerspiegelt. Im Hinblick auf Aktien haben die USA besser abgeschnitten als Europa, wobei der Energiesektor am stärksten und der Finanzsektor am schlechtesten performt hat. Diese Divergenz erklärt sich durch die überdurchschnittlich hohen Energiepreise und das Potenzial für Wertminderungen von Vermögenswerten, sowie Zahlungsausfälle und erhöhte Rückstellungen bei einigen Banken. Wenn die Entspannung kommt, wird sich diese Paarung wahrscheinlich umkehren, zumal die Zentralbanken bei der Aufhebung der geldpolitischen Lockerung vorsichtiger vorgehen müssen und die meisten Banken nur ein begrenztes Engagement in Russland haben.

Gewinner und Verlierer

Aber jetzt ist nicht die Zeit, in der man Entspannung erwarten sollte. Im Gegenteil: Die Lage kann sich noch verschlechtern, und das könnte zu einer weiteren Abwärtsbewegung bei Aktien, dem Euro und der Kredit-Performance führen. US-Treasuries und der US-Dollar haben bisher von der globalen Unsicherheit profitiert. Die geopolitische Nervosität wird diese Assets weiterhin stützen, trotz der offensichtlichen politischen Unsicherheit hinsichtlich der Inflation, die in den Worten des Federal-Reserve-Vorsitzenden Powell bei seinen Auftritten im Kongress in der vergangenen Woche zum Ausdruck kam. Der Westen, angeführt von den USA, hat den Kalten Krieg gewonnen, und das Kapital setzt darauf, dass diese Hegemonie auf Dauer anhalten wird.

Finden Sie hier weitere Artikel und Informationen von AXA IM.

Rechtliche Hinweise:

Nur für professionelle Kunden / nicht für Privat-/Kleinanleger. Bei diesem Dokument handelt es sich um Werbematerial und um kein investmentrechtliches Pflichtdokument. Anlagen enthalten Risiken, einschließlich dem des Kapitalverlustes. Die hier von AXA Investment Managers Deutschland GmbH bzw. mit ihr verbundenen Unternehmen („AXA IM DE“) bereitgestellten Informationen stellen weder ein Angebot zum Kauf bzw. Verkauf von Fondsanteilen noch ein Angebot zur Inanspruchnahme von Finanzdienstleistungen dar. Die Angaben in diesem Dokument sind keine Entscheidungshilfe oder Anlageempfehlung, (aufsichts-) rechtliche oder steuerliche Beratung durch AXA IM DE, sondern werden ausschließlich zu Informationszwecken zur Verfügung gestellt. Die vereinfachte Darstellung bietet keine vollständige Information und kann subjektiv sein. Dieses Dokument dient ausschließlich zu Informationszwecken des Empfängers.

Sollten Christina Lake Cannabis Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg?

Wie wird sich Christina Lake Cannabis jetzt weiter entwickeln? Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Anleger lieber verkaufen? Die Antworten auf diese Fragen und warum Sie jetzt handeln müssen, erfahren Sie in der aktuellen Christina Lake Cannabis-Analyse.

Trending Themen

Warum die meisten Aktienhändler scheitern!

Erwartungen: Verstehen Sie Ihr Ziel. Verstehen Sie es wirkli...

Anlagemöglichkeiten: Keine Lust auf Aktien?

Falls Sie sich aufgrund der jüngsten Nachrichten über den ...

Dividenden-Aktien: Diese 6 sollten Sie kennen!

In Phasen der Börsenschwäche können Anleger immer noch Re...

Terra-Kollaps: Vitalik Buterin reagiert!

In einem Tweet am Samstag schlug der Ethereum-Experte Anthon...

Vorsorgetipps für Millennials: Darauf solltet ihr achten!

Nehmen wir an, Du fängst jetzt an, 100 Euro pro Monat zu in...

Wohnungsbau: Steigende Hypothekenzinsen!

Mehr Immobilienkäufer nahmen trotz steigender Zinsen Hypoth...

Inflation: Experten reagieren

Der SPDR S&P 500 ETF Trust SPY ist in den vergangenen Ta...

Tether: Löst sich vom Dollar?!

Der führende Stablecoin Tether verlor nach dem Kollaps von ...

NFT-Markt: Ein toter Markt?

Nachdem NFTs den Markt im Jahr 2021 im Sturm erobert hatten,...
Christina Lake Cannabis
CA17104U1021
0,11 EUR
-5,11 %

Mehr zum Thema

Christina Lake Cannabis Aktie: Wird das der nächste Knaller?
Aktien-Broker | Fr

Christina Lake Cannabis Aktie: Wird das der nächste Knaller?

Weitere Artikel

DatumAutorLeser
30.03. Chris Iggo (AXA IM): Erste Kaufgelegenheiten? Asset Standard 80
29.03.2022 - Die Federal Reserve (Fed) hat ihren Straffungszyklus begonnen und Anleihen haben schlechter abgeschnitten als in den vorangegangenen vier Zinszyklen. Es besteht die Chance, dass Anleihen künftig besser abschneiden werden, da die Renditen höher sind und die Historie zeigt, dass sich die Renditen von nun an verbessern sollten. Alles hängt davon ab, wie stark die Straffung durch die Fed…
24.03. Chris Iggo (AXA IM): Inflationsrate bald bei zehn Prozent? Asset Standard 128
22.03.2022 - An den Märkten ist die Volatilität hoch und die Liquidität gering, während die Nachrichtenlage unberechenbar bleibt und sich die makroökonomischen Aussichten verschlechtert haben. Der Zeitraum zwischen dem Ende von Covid und dem Ausbruch des Krieges war schmerzlich kurz beziehungsweise gar nicht vorhanden. Eine ruhige Phase scheint nicht in Sicht und in den kommenden Wochen wird es wohl noch…
Anzeige Christina Lake Cannabis: Kaufen, halten oder verkaufen? Finanztrends 4443
Wie wird sich Christina Lake Cannabis in den nächsten Tagen und Wochen weiter entwickeln? Sichern Sie sich jetzt die aktuelle Christina Lake Cannabis-Analyse...
25.02. Chris Iggo (AXA IM): Russischer Bär(enmarkt) Asset Standard 104
24.02.2022 Der russische Einmarsch in der Ukraine ist für die Weltwirtschaft vor allem wegen der Unterbrechung der Versorgung mit Energie und anderen Rohstoffen negativ. Dies geschieht noch bevor wir alle Versorgungsprobleme im Zusammenhang mit dem Coronavirus korrigiert haben. Die Reaktion der Politik auf die Pandemie war für die Märkte positiv, doch es ist unklar, wie die Politik jetzt eine solche…
17.02. Chris Iggo (AXA IM): Die Märkte haben die Talsohle noch nicht erreicht Asset Standard 316
15.02.2022 In den vergangenen 20 Jahren sind die Verbraucherpreise in den USA im Durchschnitt um 0,2 Prozent pro Monat gestiegen. Dabei lag der Anstieg zu 94 Prozent der Zeit unter 0,6 Prozent. In diesem Januar kletterte der Verbraucherpreisindex um 0,6 Prozent. Bei einem solchen monatlichen Anstieg würde die jährliche Inflationsrate für den Rest des Jahres bei über sieben Prozent liegen,…