BMW-Aktie -5,5% nach Rekordgewinn: Darum sind Anleger erschrocken!

Mit einem Rekordergebnis hat sich BMW nach der Corona-Krise zurückgemeldet. Der Autobauer zeigt jedoch auch Defizite, Anleger schickten die Aktie auf Talfahrt.

Das haben sich die BMW-Bosse am gestrigen Donnerstag sicher ganz anders vorgestellt. Der Münchener Autobauer hatte ein Rekordergebnis gemeldet und vorgeschlagen, seine Dividende zu verdreifachen. Dennoch gehörte das Unternehmen im DAX zu den größten Verlierern: Zum Mittag rutschte der Kurs -7% in den Keller und steuerte damit zeitweise auf den größten Tagesverlust seit dem Corona-Crash im März 2020 zu. Was hatte die Anleger derart vergrätzt? Nun, der Reihe nach.

Dividende verdreifacht plus Aktienrückrauf?

Vielen war schon vor der Bilanzpräsentation klar: Die weltweit erstarkte Autonachfrage und die hohen Preise für Neu- und Gebrauchtwagen haben im abgelaufenen Jahr die Kassen der Münchener ordentlich klingeln lassen. So meldete der Autobauer in seinem Jahresbericht, dass Gewinn und Umsatz sogar deutlich über den Werten des Vorkrisenjahres 2019 lagen.

Im Vorjahresvergleich verbesserte sich der Umsatz um 12,4% auf 111,2 Milliarden €. Unter dem Strich erwirtschaftete BMW einen Rekordüberschuss von 12,5 Milliarden €, mehr als dreimal so viel wie im Vorjahr. Die Dividende wird nun ebenfalls kräftig erhöht: von 1,90 auf 5,80 € je Vorzugsaktie. Zudem soll die Hauptversammlung nun über einen Aktienrückkauf entscheiden.

Hohe Preise und Fokus auf Luxussegment

Das starke Ergebnis ist einerseits das Resultat einer konsequenten Strategie im Umgang mit der Chipkrise: Alle verfügbaren Halbleiter hatte der Konzern zuletzt in Elektroautos sowie höherpreisige Limousinen und SUVs gelenkt. Andererseits war BMW vom Chipmangel schlicht weniger betroffen als die Konkurrenten Audi und Mercedes. Während die Rivalen ihre Produktion kräftig drosseln mussten, standen bei den Münchener die Bänder deutlich seltener still.

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Hinzu kamen gestiegene Verkaufspreise, auch bei Gebrauchtwagen. Der Autohersteller musste zuletzt kaum noch Rabatte geben, da die Nachfrage das Angebot deutlich überstiegen hat. In der Autosparte kletterte der Gewinn daher von 2,2 auf 9,8 Milliarden und die entsprechende Umsatzrendite – die Kerngröße für das Unternehmen – von 2,7 auf 10,3%.

Einbruch im vierten Quartal

Also eigentlich alles bestens, oder? Nicht ganz: Anleger hatten mit dem starken Jahreszahlen gerechnet, für das Schlussquartal hatte der Markt jedoch deutlich mehr erwartet. So hatte sich zwischen Oktober und Dezember auch bei BMW die Chipkrise deutlich bemerkbar gemacht.

Der Umsatz sank um 3,6% auf 28,4 Milliarden €, der Betriebsgewinn im Autogeschäft ging um 4,2% zurück. Gegenüber dem Vorjahresquartal verkauften die Münchener 14,2% weniger Autos und Motorräder. Angesichts dieses Einbruchs erwartet der Markt nun einen deutlich schwächeren Jahresausblick als zuvor.

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Abhängigkeit von Batterie-Zulieferern wächst

BMW will in Zukunft weiter vermehrt auf Luxus und Elektro setzen. Der neue 7er wird in seiner stärksten Version ein E-Modell, rein elektrisch kommen auch der i4 und der iX bald auf den Markt. Bis 2025 plant der Autobauer eine Dutzend neuer Stromautos. Im Gegensatz zu Volkswagen oder Mercedes wollen sich die Münchener jedoch nicht auf einen Ausstiegszeitpunkt für Verbrenner festlegen.

Die Zögerlichkeit von BMW im Hinblick auf E-Mobilität lässt sich auch daran festmachen, dass das Unternehmen bislang noch nicht in der Fertigung von Batteriezellen einsteigen will. Mit dem wachsenden Anteil an abgesetzten E-Fahrzeugen erhöht sich damit jedoch auch die Abhängigkeit von asiatischen Zulieferern.

Expansion in China

Der wichtigste Markt für die Münchener ist China, wo der Konzern fast jedes dritte Auto verkauft. Mitte Februar hat der deutsche Autobauer für rund 3,6 Milliarden € seinen Anteil an dem Produktions-Joint-Venture BMW Brilliance Automotive (BBA) von 50 auf 75% aufgestockt. Erstmals übernimmt damit ein westlicher Autoproduzent die Mehrheit an seinem chinesischen Partner.

BBA wurde bereits 2003 gegründet, vergangenes Jahr liefen rund 700.000 Fahrzeuge vom Band des Gemeinschaftsunternehmens. Nun will BMW mit einem neuen Werk die Produktionskapazität nochmal deutlich erhöhen, um seine Stellung auf dem weltweit größten Absatzmarkt weiter auszubauen. Der Schritt birgt Chancen, aber auch erhebliche Risiken. Immer wieder kommt es zu massiven Eingriffen Pekings in die chinesische Wirtschaft.

Unbekümmert und behäbig

Anleger haben gestern gleich gespürt, dass die schwachen Zahlen im Schlussquartal nichts Gutes verheißen. Hinzu kommt: Indem die Münchener ohne eigene Zellproduktion mehr auf Elektro und China setzen, macht sich der Konzern zunehmend abhängig von asiatischen Zulieferern und dem Wohlwollen Pekings.

Obendrein hat es BMW wie auch seine Rivalen Mercedes und VW verschlafen, sich frühzeitig Kompetenz als Software- und Chipdesigner aufzubauen oder zuzukaufen. Mittlerweile ist jedem in der Branche klar, dass Computer-Prozessoren zu einem der wichtigsten Faktoren in der Autoindustrie werden.

Für eine Aufholjagd müssten die Münchener radikal umdenken. Womöglich müsste mal ein junges Genie aus der Softwarebranche an die Spitze des Konzerns, damit Impulse zur rechten Zeit kommen. Stattdessen reagiert der Traditionskonzern sehr behäbig und unbekümmert auf die großen Trends. Solange sich daran nichts ändert, werde ich für meinen Teil einen großen Bogen um die BMW-Aktie machen.

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