Bitcoin & Co.: Indikator für den Aktienmarkt?

Kryptowährungen scheinen derzeit die Trends vorwegzunehmen, denen andere Anlageklassen alsbald folgen. Anleger könnten davon profitieren.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat Ende November/Anfang Dezember den Schalter umgelegt. Seitdem befindet sich die Fed im Inflationsbekämpfungsmodus. Ein hawkisher Jerome Powell hat die Anleger an den Aktienmärkten zuletzt mehrfach erschreckt. Zugleich hat die amerikanische Notenbank damit einmal mehr unter Beweis gestellt, dass man sie immer noch zurecht als „Zentralbank der Welt“ bezeichnen kann.

Denn obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) dem Kurs der Fed nicht folgen wollte, verschlechterte allein die harte Haltung der Fed die Situation für Kreditnehmer auch in der Eurozone. So lag die Rendite auf deutsche Staatsanleihen drei Jahre im negativen Bereich und drehte zuletzt nur durch die neue geldpolitische Ausrichtung der Fed in den positiven Bereich. Vielleicht auch deshalb gab sich die EZB gestern überraschend hawkish.

Hatte EZB-Chefin Christine Lagarde bisher stets betont, dass die Inflation im Laufe des Jahres durch die Restauration der weltweiten Lieferketten quasi von selbst zurückgehe und die EZB daher nichts tun müsse, erkannte sie gestern erstmals an, dass die Inflation derzeit zu hoch und möglicherweise doch nicht vorübergehend („transitory“) sei. Zwar wurde bisher die Geldpolitik noch nicht verändert, aber…

Der EZB-Rat zeige sich besorgt über die hohe Inflation und werde dieses Thema in seiner nächsten Sitzung im März ausführlicher erörtern. Es könnte also gut sein, dass sich die EZB schon bald auf die Spuren der Fed begibt und es noch in diesem Jahr doch erste Zinserhöhungen in der Eurozone gibt. Anleger wetten derzeit auf mindestens fünf Leitzinsanhebungen der Fed sowie zwei der EZB.

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Verändertes Marktumfeld…

Meines Erachtens übertreiben die Anleger damit, was die USA angeht. Hier stellen ja manche Marktbeobachter sogar schon bis zu sieben Leitzinsanhebungen in Aussicht. Meines Erachtens werden es am Ende nur vier. Diese sind somit auch nicht mehr das Problem. Denn werden es wirklich nur vier – anstatt der durchschnittlich erwarteten fünf – wäre dies inzwischen ja eine positive Überraschung.

Doch die Fed möchte die hohe Inflation in den USA ja nicht nur durch Leitzinsanhebungen bekämpfen. Vielmehr hat sie ihre Anleihekäufe, die noch vor kurzem ein Volumen von 120 Milliarden US-Dollar pro Monat umfassten, inzwischen fast eingestellt. Anfang März wird sie dies komplett getan haben („Tapering“). On top soll dann auch noch eine relativ aggressive Reduktion der aufgeblasenen Bilanz kommen.

Marktbeobachter rechnen damit, dass die Fed ihre Bilanz um 2,5 Billionen US-Dollar verschlanken möchte. Damit würde sie von derzeit rund neun auf dann eben nur noch 6,5 Billionen US-Dollar sinken. Zum Vergleich: Vor der Finanzkrise, also zu Zeiten eines Fed-Chef Alan Greenspan umfasste die Bilanz der Fed nicht einmal eine Billion US-Dollar. Da sieht man mal wie viel Geld in den USA in den letzten gut 20 Jahren gedruckt wurde.

Kein Wunder also, dass zunächst die spekulativen Assets wie Bitcoin und Co. ausverkauft wurden. So erreichte der Bitcoin (BTC) sein aktuell gültiges Allzeithoch am 9./10. November 2021 und hat sich seitdem in der Spitze halbiert. Ähnlich erging es auch vielen anderen Kryptowährungen wie Ether(eum) (ETH), Binance Coin (BNB), Cardano (ADA), Solana (SOL) und Co.

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Spätestens seit Anfang Januar stehen nun auch die Aktienmärkte – und hier allen voran die Wachstumswerte – unter Abgabedruck. Da auch diese als relativ spekulative Assets gelten, verwundert das nicht wirklich. Aber warum sind jetzt ausgerechnet sogenannte Value-Werte derart gesucht? Nun, dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung. Anleger, die Geld aus Technologie-Aktien abziehen, sitzen zunächst einmal auf einem Berg Cash.

Dieses Geld nutzen sie sicherlich erst einmal, um bestehende Schulden zu reduzieren. Bleibt dann aber noch Geld übrig, haben sie jedoch ein Problem. Denn legen sie dieses Geld auf ein Sparkonto, bekommen sie im besten Fall Nullzinsen. Im schlimmsten Fall müssen sie sogar negative Zinsen in Kauf nehmen. Ergo möchte niemand Cash horten, man sucht sich Alternativen. Der Aktienmarkt ist am Ende dann doch alternativlos.

Ergo „parkt“ man sein Geld in ausgesuchten Value-Aktien, in Dividendenpapieren. On top kommt noch, dass insbesondere die Finanzbranche – das Kerngeschäft von Banken ist bekanntlich die sogenannte Fristentransformation – vom veränderten Zinsumfeld profitieren. Kein Wunder also, dass Aktien wie die Papiere der Allianz, der Commerzbank, der Deutschen Bank oder der Münchener Rück (Munich RE) plötzlich haussieren.

Irgendwann schlägt das Pendel zurück!

Diese Phase hat gerade erst begonnen und daher rechne ich noch nicht damit, dass die Korrektur an den Aktienmärkten schon bald ausgestanden ist. Auch die Kryptowährungen könnten einen nochmaligen Ausverkauf erleben. Selbst wenn Sie selbst als Anleger sich von Kryptowährungen fernhalten, weil Sie das alles für Humbug halten, könnten diese somit sehr nützlich für Sie werden.

Denn die Kryptowährungen haben als erstes auf die geldpolitische Kursänderung der Federal Reserve, der nun bald wohl auch die EZB folgen wird, reagiert. Mit fallenden Kursen. Sie könnten daher auch die ersten sein, die wieder aus der Korrektur herauskommen. Wenn ich ehrlich bin, erwarte ich das kurzfristig noch nicht. Wenngleich sich Bitcoin und Co. zuletzt auffallend stabil zeigten.

Kann der Bitcoin jedoch nachhaltig über 40.000 US-Dollar klettern und damit seinen Abwärtstrend brechen und folgen ihm Ether(eum) und Co. dabei, wäre das zunächst einmal ein sehr positives Zeichen für die Krypto-Märkte. Doch die Kryptowährungen wären damit wohl auch ein sehr guter Indikator für den Aktienmarkt, hier im speziellen die Wachstumswerte.

Schon deshalb sollten Sie die Kryptowährungen derzeit keinesfalls ignorieren. Noch besser wäre natürlich, wenn Sie sich – auch als Skeptiker – mit dieser neuen Anlageklasse einmal intensiv beschäftigen, zum Beispiel in dem Sie mein Buch „Krypto Trading: Alles über Kauf, Verkauf und Strategie beim Handel mit Kryptowährungen“ (erschienen im FinanzBuchVerlag unter der ISBN: (978-)3959721943) lesen. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

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