Bitcoin & Co: Die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm?

Viele Anleger verhalten sich derzeit noch defensiv an den Märkten - was durchaus auf Jahressicht auch gerechtfertigt zu sein scheint.

Heute habe ich sowohl gute als auch schlechte Nachrichten für Sie dabei. Leider dominieren am Ende doch die schlechten Nachrichten. Was angesichts der geopolitischen Weltlage (der Krieg von Russland in der Ukraine) sowie die, weltweit, zunehmend hawkisheren Notenbanken (allen voran die Federal Reserve in den USA) nicht wirklich verwundern dürfte. Aber der Reihe nach!

Wie wir seit Veröffentlichung des Protokolls zur letzten Sitzung des Offenmarktausschuss (FOMC) der Federal Reserve wissen, hätten die US-Notenbanker eigentlich gerne schon da den US-Leitzins (Federal Funds Rate) um 0,5% (anstatt wie getan nur um 0,25%) erhöht. Der geldpolitische Ausschuss der Fed hat nur deshalb darauf verzichtet, weil man die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs abwarten wollte.

Zuletzt zeigten sich jedoch zahlreiche Mitglieder des Offenmarktausschuss sehr entschlossen, die US-Leitzinsen im Laufe des Jahres schneller und stärker anzuheben, als die Anleger bisher dachten. Als Sprachrohr von Fed-Chef Powell diente dabei zuletzt der Chef der regionalen Notenbank von St. Louis, James Bullard. Laut dessen Aussagen ist die Fed „far behind the curve“ und muss nun schnell und entschlossen handeln.

Doch das Bullard zuletzt als „oberster Falke“ aufgetreten ist, verwundert weniger. Interessanter war und ist vielmehr, dass zahlreiche seiner, eigentlich als „Tauben“ bekannten, Kollegen durchaus ähnlich denken. So möchte inzwischen selbst die Chefin der regionalen Notenbank von San Francisco, Mary C. Daly, die Leitzinsen bis zum Jahresende auf 2,5% anheben. Was tief blicken lässt.

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Denn schließlich gehört das Silicon Valley mit seinen vielen (Tech-)Startups zu dem Teil der USA, für den die regionale Notenbank von San Francisco verantwortlich ist. Diese Startups aber sind auf „billiges Geld“ angewiesen. Wenn daher die „Obertaube“ Mary C. Daly schon dafür plädiert, aufgrund der (zu) hohen US-Inflationsraten, die US-Leitzinsen schnell und entschlossen anzuheben, lässt das tief blicken.

Anleger können mit Zinserhöhungen leben, aber…

Kein Wunder daher, dass die Zinsen an den Anleihemärkten zuletzt so deutlich gestiegen sind. So rentiert eine 10-jährige US-Staatsanleihe inzwischen schon wieder mit 2,9%. Auf Basis der Fed Funds Futures, die man sich über das FedWatch Tool der CME anschauen kann, siehe: https://www.cmegroup.com/trading/interest-rates/countdown-to-fomc.html, haben die Anleger derzeit schon einen US-Leitzins von 2,75 bis 3,0% bis Jahresende eingepreist.

Dies entspräche Leitzinserhöhungen um weitere 2,5% bei nur noch sechs ausstehenden FOMC-Meetings. Es müssten daher auf vier dieser Meetings, ziemlich sicher wird das auch beim nächsten Meeting am 4. Mai passieren, die US-Leitzinsen um 0,5% angehoben werden und in zwei Meetings um weitere 0,25%. Klingt nicht gut? Das stimmt zwar, nur… da das die Erwartungen der Anleger sind, sollte das weitestgehend schon eingepreist sein.

Wenn diese US-Leitzinsentwicklung jedoch schon eingepreist ist, können eigentlich nur noch darüberhinausgehende US-Leitzinserhöhungen die Anleger schocken und für entsprechende Kursverluste an den Aktien- sowie Krypto-Märkten sorgen. Ob Sie es daher glauben oder nicht, aber die US-Leitzinsen bereiten mir derzeit weniger Kopfzerbrechen. Zumal, sollte sich die US-Inflation im Jahresverlauf abschwächen, es nicht einmal dazu kommen muss.

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Aber was die Anleger meines Erachtens immer noch unterschätzen ist die gleichzeitig geplante Bilanzreduktion der Fed. Denn hierüber möchte die US-Notenbank den Märkten 95 Milliarden US-Dollar pro Monat entziehen – und das über drei Jahre. Am Ende würde die Bilanz der Fed somit um 36x 95 Milliarden US-Dollar und somit mehr als 3,4 Billionen US-Dollar verkürzt. Was mittelfristig zu einem Problem werden kann und meines Erachtens wird.

Rund 1,5 Billionen US-Dollar zu viel im US-Finanzsystem!

Denn wie wir anhand der Reverse Repos wissen, stecken derzeit „nur“ 1,5 bis 1,6 Billionen US-Dollar zu viel an Liquidität im US-Finanzsystems. Eine solche Summe könnte die Fed daher wohl noch einigermaßen problemlos entziehen. Aber über 3,4 Billionen US-Dollar sind mehr als das Doppelte dieser Summe. Daher sollte man dies nicht so leichtfertig wegdiskutieren, wie es derzeit der eine oder andere „Experte“ noch tut.

Zumal wir eine problematische Situation haben. Denn die Anleger schauen ja stets sechs bis zwölf Monate in die Zukunft. In sechs Monaten ist die Bilanzreduktion aber noch nicht kritisch, in zwölf Monaten wird sie es dann zusehends. Denn nach 16 bis 17 Monaten hätte die Fed, wenn es bei 95 Milliarden US-Dollar pro Monat bliebe, eben die 1,5 bis 1,6 Billionen US-Dollar vollständig abgeschöpft.

Daher sollte man sich von der Ruhe, die zuletzt an den Märkten herrschte, besser nicht täuschen lassen. Es könnte sich am Ende tatsächlich um die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm handeln. Bleiben Sie daher defensiv, auch wenn es schwerfallen mag.

Kryptos: Bullen attackieren, prallen aber an den Bären ab

Dies gilt für die Aktienmärkte, aber auch für die Krypto-Märkte. Zumal wir an letzteren in den vergangenen Tagen ein Muster gesehen haben, was kurzfristig alles andere als zuversichtlich stimmt. So haben die Bullen, insbesondere bei den beiden größten Kryptowährungen Bitcoin (BTC) und Ethereum (ETH), zuletzt mehrfach attackiert, konnten aber am Ende von den Bären in Schach gehalten werden.

Noch befinden wir uns daher in einer Seitwärtsbewegung und generell gehe ich auch davon aus, dass wir in dieser bleiben. Allerdings ist es eine sehr breite Seitwärtsrange, die beim Bitcoin beispielsweise von 32.000/33.000 bis 47.000/48.000 US-Dollar reicht. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass wir in den kommenden Wochen und Monaten nochmal das untere Ende dieser Handelsspanne testen – und hoffe, dass dieser charttechnische Support hält.

Aber zum Schluss habe ich dann doch noch eine gute Nachricht für Sie im Gepäck. So kann ich mir vorstellen, dass es weniger Leitzinserhöhungen in den USA geben wird und auch, dass die Fed ihre Bilanzreduktion vorzeitig beendet, so wie sie es ja auch 2018 schon mal tat. Das wäre dann positiv für Aktien und Kryptos. Mittel- bis langfristig bleibe ich daher optimistisch, ich bin und werde KEIN Crashprophet.

Nur kann (und wird es meines Erachtens auch) erst noch etwas schlimmer kommen, ehe es dann wieder besser wird. Frühestens gegen Ende des dritten, wahrscheinlich jedoch sogar frühestens im Laufe des vierten Quartals, könnte dies der Fall sein.

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