Liebe Leserin, liebe Leser,
nein, ein erfolgreicher Start in die Börsenwoche war das für den Mainzer Impfstoff-Entwickler BioNTech zweifellos nicht. Die Aktie startete zunächst im Plus bei gut 121 Euro, um dann massiv auf 113 Euro einzubrechen. Für den französischen Wettbewerber Valnvea lief es besser, die Papiere verbesserten sich zum Wochenstart um gut ein Prozent auf 4,85 Euro. Das kam durchaus überraschend.
BioNTech verdiente erneut Milliarden
Denn BioNTech hatte am Montag seine Zahlen aus dem 4. Quartal sowie dem Gesamtjahr 2022 veröffentlicht – und erneut einen Milliardengewinn gemeldet. Die Erlöse der Mainzer beliefen sich 2022 auf insgesamt 17,31 Milliarden Euro, und damit nur unwesentlich unter den 18,98 Milliarden Euro aus dem Vorjahr. Unterm Strich verbuchte man einen Nettogewinn von 9,4 Milliarden Euro und damit etwas weniger als 2021 mit 10,3 Milliarden. Für 2023 erwartet BioNTech noch rund 5 Milliarden Euro Umsatz mit Covid-19-Impfstoffen.
„Die Auslieferung unserer an Omikron angepassten bivalenten Impfstoffe war entscheidend für unsere COVID-19-Impfstoffumsätze, die 2022 zu einem Geschäftsjahr mit einem weiteren starken Finanzergebnis gemacht haben“, so Jens Holstein, CFO von BioNTech. Und weiter: „Wir glauben, dass uns der finanzielle Erfolg im Geschäftsjahr 2022 eine optimale Ausgangsposition bietet, um die Weiterentwicklung unserer diversifizierten klinischen Pipeline zu beschleunigen.“
- Angesichts sinkender Erlöse will sich BioNTech künftig vor allem auf die Entwicklung anderer Therapien konzentrieren
- Für 2023 und 2024 ist demnach der Start mehrerer klinischer Studien geplant
BioNTech setzt auf Kampf gegen Krebs
Dabei geht es um die Erforschung von Ansätzen in der Immuntherapie auf Basis des Botenmoleküls mRNA bei der Bekämpfung von Infektions- und Autoimmunkrankheiten und Krebs. „Wir haben signifikante Fortschritte im Jahr 2022 gemacht, indem wir unsere Pipeline weiterentwickelt und den weltweit ersten an Omikron BA.4/BA.5 angepassten bivalenten COVID-19-Impfstoff auf den Markt gebracht haben“, kommentierte Ugur Sahin, CEO von BioNTech. Darüber hinaus hätten „mehrere unserer neuen Modalitäten ermutigende klinische Daten erzielt und wir haben neun neue Programme in die klinische Erprobung gebracht”.
Diese Zuversicht verfing an der Börse nicht. Nachdem sich die BioNTech-Aktie zunächst bis auf 121,60 Euro sogar leicht ins Plus vorgeschoben hatte, fielen die Papiere nach dem Mittag wie ein Stein bis auf 113,40 Euro zurück. Trotz leichter Verbesserung bis Dienstagvormittag hat die Aktie aus dem zurückliegenden Monat rund zehn Prozent an Wert eingebüßt, innerhalb der letzten drei Monate gar annähernd das Doppelte.
BioNTech Aktie Chart
Valneva verdoppelte 2022 den Netto-Verlust
Bei Valneva ist die kurzfristige Kursentwicklung positiv, der Verlust aus dem vergangenen Vierteljahr beläuft sich jedoch noch immer auf rund 30 Prozent. Hat sich der französische Konkurrent aus dem COVID-19-Impfstoffprogramm mangels Erfolg doch fast vollständig zurückgezogen. Die Zahlen aus 2022, die Valneva bereits vor dem Wochenende vorgelegt hatte, sprachen Bände: Zwar hatte man den Umsatz leicht von 348,1 Millionen Euro auf 361,3 Millionen Euro gesteigert. Nach einem Nettoverlust von 73,4 Millionen Euro im Jahr 2021 hat sich dieser im Vorjahr auf 143,3 Millionen aber annähernd verdoppelt.
- Der angepasste EBITDA-Verlust stieg von 47,1 Millionen im Vorjahr auf 69,2 Millionen Euro
- Die Barmittel sanken in diesem Zeitraum von 346,7 auf jetzt 289,4 Millionen Euro
Damit allerdings sei Valneva zu Beginn des Jahres 2023 „in einer starken Position, um das erwartete kommerzielle Wachstum und unsere F&E-Programme zu unterstützen“, versicherte Peter Bühler, Chief Financial Officer von Valneva. 2022 habe Valneva trotz eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds wichtige strategische Ziele erfolgreich umgesetzt. „Nachdem wir klinische und regulatorische Erfolge erzielt hatten, beschlossen wir, unsere COVID-19-Aktivitäten zu beenden und uns auf unsere Hauptprogramme zu konzentrieren“, so der Valneva-CFO.
Von Erholung der Reisebranche profitiert
Demnach hat das Unternehmen die Produktion der kommerziellen Impfstoffe rasch reaktiviert, um von der Erholung der Reisebranche zu profitieren. „Es ist uns auch gelungen, unsere Liquidität und Aktionärsbasis zu stärken, indem wir führende Investoren gewinnen konnten und die Unterstützung unserer bestehenden Aktionäre erhalten konnten“, so Bühler.
- Im laufenden Geschäftsjahr erwartet der Impfstoffhersteller nun Gesamtumsätze und sonstige Umsatzerlöse zwischen 220 und 260 Millionen Euro
- Davon 130 bis 150 Millionen durch Produktumsätze, einschließlich geringfügiger COVID-19-Impfstoffumsätze im Rahmen einer bestehenden Liefervereinbarung mit dem Königreich Bahrain
Hoffnungen liegen auf Chikungunya-Impfstoff
Die Hoffnungen liegen nun insbesondere auf VLA1553, einem Lebendimpfstoffkandidaten gegen das Chikungunya-Virus, das sich in mehr als 100 Ländern ausgebreitet habe. Die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO) hat laut Valneva im Februar eine epidemiologische Warnung herausgegeben, da die Zahl der Chikungunya-Infesktionen sowie der Todesfälle in Nord- und Südamerika gestiegen sei.
Valneva hatte im Februar bekanntgegeben, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA die Einreichung eines Zulassungsantrags von VLA1553 für Erwachsene akzeptiert und die vorrangige Prüfung des Lizenzantrags bewilligt habe. „Im Rahmen dieser Prüfung wurde VLA1553 ein PDUFA-Zieldatum (Prescription Drug User Fee Act) für derzeit Ende August 2023 zugewiesen, das Datum, bis zu dem die FDA beabsichtigt, über den Antrag – abhängig vom Fortschritt der Zulassungsprüfung – zu entscheiden.“
Ambitioniertere Kursziele für Valneva-Aktie
Die Analysten sind bei Valneva durchaus zuversichtlich. Laut marketscreener.com liegt das durchschnittliche Kursziel für die Aktie derzeit bei 9,94 Euro. Dazu müssten sich die Papiere im Wert mehr als verdoppeln. Das übertrifft die Erwartungen an die BioNTech-Aktie bei weitem. Noch haben sich die Analysten nach den Zahlen nicht zu Wort gemeldet. Die davor aufgerufenen Kursziele lagen durchschnittlich bei knapp 187 Euro, ein aktuelles Kurspotenzial von lediglich 57 Prozent.