BioNTech- und CureVac-Aktie: Das kommt völlig überraschend!

Impfstoffentwickler BioNTech hängt an der Börse Wettbewerber CureVac deutlich ab. Eine vermeintliche Schockmeldung vom Dienstag blieb ohne Wirkung an den Märkten. Fast.

Schaut man sich lediglich den Kursverlauf der Aktien von BioNTech und CureVac an, ist zuletzt offenbar nicht allzu viel passiert. Nur kurz knickte die BioNTech-Aktie am Dienstag von zuvor 158,00 auf 143,45 Euro ein, fing sich allerdings schnell wieder. Mit einem aktuellen Kurs von rund 155 Euro weisen die Papiere des Mainzer Impfstoffentwicklers ein Wochenplus von etwa 15 Prozent aus. Damit war BioNTech weit erfolgreicher als CureVac, deren Anteilscheine lediglich rund fünf Prozent auf 14 Euro zulegten. Das kommt völlig überraschend, hatten die Tübinger doch für eine Eskalation unter den Wettbewerbern gesorgt, vermeintlich.

CureVac verklagt BioNTech

Denn CureVac hat Klage gegen den Corona-Impfstoffhersteller Biontech und zwei Tochterunternehmen eingereicht, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Es sieht seine Patente durch den Impfstoff des Konkurrenten verletzt. Man werde „geistige Eigentumsrechte aus mehr als zwei Jahrzehnten Pionierarbeit in der mRNA-Technologie, die zur Entwicklung von COVID-19-Impfstoffen beigetragen haben, geltend machen wird“, hieß es.

CureVac hat daher beim Landgericht Düsseldorf Klage gegen die BioNTech SE und zwei ihrer Tochterunternehmen eingereicht „und fordert eine faire Entschädigung für die Verletzung einer Reihe der geistigen Eigentumsrechte von CureVac, die bei der Herstellung und dem Verkauf von Comirnaty®, dem mRNA-COVID-19-Impfstoff von BioNTech und Pfizer, verwendet wurden“. CureVac strebe jedoch keine einstweilige Verfügung an und beabsichtige auch nicht, rechtliche Schritte einzuleiten, die die Produktion, den Verkauf oder den Vertrieb von Comirnaty® durch BioNTech und seinen Partner Pfizer behindern könnten, versicherte man.

  • Die Aktienmärkte reagierten nur kurz und vergleichsweise moderat auf die für BioNTech möglicherweise kostspielige Klage
  • Die Aktien des Biotech-Unternehmens rutschten zehn Prozent abwärts, drehten aber schnell wieder nach oben.
  • Am Ende stand bei der BioNTech-Aktie sogar ein höheres Tagesplus als bei CureVac

BioNTech weist Vorwürfe zurück

Dies könnte an der prompten Reaktion aus Mainz gelegen haben: „BioNTech respektiert valide geistige Eigentumsrechte“, ließ man lapidar wissen. Die Arbeit von BioNTech sei „originär, und wir werden sie entschieden gegen alle Anschuldigungen der Patentverletzung verteidigen“. Man sei sich jedoch bewusst, dass es nicht ungewöhnlich sei, „dass andere Unternehmen der pharmazeutischen Industrie im Zuge des Erfolgs von COMIRNATY® nun behaupten, der Impfstoff verletze möglicherweise ihre geistigen Eigentumsrechte“.

BioNTech hat nach eigenen Angaben im Jahr 2020 „in der Tat COMIRNATY®, den weltweit ersten zugelassenen COVID-19-Impfstoff, schnell und erfolgreich entwickelt“. Dies sei, so die Mitteilung,  „eine bemerkenswerte Leistung unserer Mitgründer und ihrer Teams. Die Innovationen von BioNTech haben die Impfung von mehr als einer Milliarde Menschen weltweit ermöglicht und sie haben Millionen von schweren Krankheitsverläufen, Krankenhausaufenthalten und Todesfällen verhindert“.

CureVac sieht geistiges Eigentum verletzt

Bei CureVac sieht man das anders: Das Portfolio des geistigen Eigentums von CureVac schütze mehrere Erfindungen, die für das Design und die Entwicklung unter anderem der SARS CoV-2 mRNA-Impfstoffe von BioNTech „als wesentlich angesehen werden“. Diese betreffen demnach „die technische Herstellung von mRNA-Molekülen einschließlich Sequenzmodifikationen zur Erhöhung der Stabilität und zur Verbesserung der Proteinexpression sowie die mRNA-Impfstoffformulierung, die für SARS-CoV-2-Impfstoffe spezifisch sind“.

In den letzten 22 Jahren habe CureVac patentierte Grundlagentechnologie im Zusammenhang mit der mRNA-Konzeption sowie mit der Verabreichung und der Herstellung der mRNA entwickelt, „die maßgeblich zu der Entwicklung sicherer und wirksamer COVID-19-Impfstoffe beigetragen hat“, so die Mittelung. Dieser Erfolg basiere auf jahrzehntelanger wissenschaftlicher Forschung und Innovation, „unterstützt von CureVac als frühestem Pionier der mRNA-Technologie“.

CureVac pocht auf Entschädigung

In dem Verfahren müsse geklärt werden, zu welchen Anteilen die jeweiligen Patente in die Entwicklung des Biontech-Impfstoffs eingeflossen seien, sagte Curevac-Chef Franz-Werner Haas laut Süddeutscher Zeitung. „Welche Summe sich Curevac vorstellt, sagte er nicht.“ Dies müsse im Verfahren geklärt werden. Die Parteien seien sich in dieser Frage nach zahlreichen Gesprächen uneinig.

Zum Hintergrund: Während BioNTechs COVID-19-Impfstoff bereits milliardenfach verimpft worden ist, musste CureVac seinen ersten Impfstoff-Kandidaten mangels Wirksamkeit zurückziehen. CureVac will mit seinem Partner Glaxosmithkline bei der Entwicklung eines neuen Vakzins der zweiten Generation Vorreiter sein. Ende März war eine klinische Studie des neuen Kandidaten begonnen worden. Ob und wann es zu einer Zulassung kommen wird, ist völlig offen.

BioNTech-Aktie verliert langfristig

Die unterschiedliche Entwicklung der Aktienkurse kommt daher nicht überraschend. Doch trotz des großen Erfolgs und mehr als zehn Milliarden Gewinn im Geschäftsjahr 2021 kommen auch die Papiere von BioNTech erst in jüngster Zeit wieder in Fahrt:

Kursverlauf 1 Woche 1 Monat 6 Monate 1 Jahr
BioNTech +15% +6% -16% -14%
CureVac +5% -18% -49% -73%

Dass es bei BioNTech zuletzt wieder aufwärts ging, könnte an einem Deal von Ende Juni liegen: BioNTech gab damals den Abschluss einer neuen Vereinbarung mit der US-Regierung zur Lieferung von Impfstoffen bekannt. Es geht um zunächst 105 Millionen Dosen, die an die USA geliefert werden. „Dies umfasst potenziell auch den an Omikron angepassten COVID-19-Impfstoff für Erwachsene, sofern dieser von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde genehmigt wird“, so BioNTech. Die Auslieferung der Impfdosen soll im Spätsommer 2022 beginnen.

Weitere Milliarden aus den USA

Die US-Regierung wird BioNTech und Pfizer nach Erhalt der ersten 105 Millionen Impfdosen demnach 3,2 Milliarden US-Dollar überweisen. Im Rahmen der Vereinbarung, verfüge die US-Regierung zudem über die Option, weitere 195 Millionen Dosen zu erwerben. „Sofern die Behörde den angepassten Impfstoff zulässt, wird die Lieferung ebenfalls einen an Omikron angepassten Impfstoff enthalten”, sagte Sean Marett, Chief Business und Chief Commercial Officer bei BioNTech.

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CureVac
NL0015436031
13,45 EUR
2,34 %

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Aktien-Broker | 31.07.2022

CureVac Aktie: Aufgepasst!

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