BayWa AG: Interview mit CFO Andreas Helber über die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens im ersten Halbjahr von 2022

Trotz der Ukraine-Krise befindet sich die BayWa AG in einer guten Ausgangslage.

Die Börsen Radio Network AG hat in einem Interview mit dem Finanzvorstand der BayWa AG gesprochen. Dabei hat CFO Andreas Helber einen detaillierten Einblick in die aktuellsten Geschehnisse des Unternehmens gewährt.

Andreas Helber: Hallo mein Name ist Andreas Helber, ich bin CFO bei BayWa.

Peter Heinrich: BayWa mit vielen Segmenten, mittlerweile eigentlich ein Mischkonzern. Starkes Wachstum im ersten Halbjahr. Der Boom der erneuerbaren Energien und die hohen Energiepreise haben BayWa in Q2 einen Gewinn Sprung beschert. Gehen wir doch heute mal die Segmente einzeln durch. Alle brauchen jetzt sehr schnell sauberen, alternativen Strom und natürlich auch Wärme. Das Segment regenerative Energien. Der Umsatz hat sich quasi verdoppelt im Halbjahr 2,7 Milliarden, im Vorjahr 1,4 Milliarden Euro. Der Absatz mit PV Modulen wuchs erneut sehr kräftig um 77 %, das Geschäft mit Wechselrichtern legte um 52 % zu. Ja, wie groß ist denn hier die Nachfrage? Wie voll sind sie Auftragsbücher? Und können sie wirklich liefern?

Andreas Helber: Ja, in der Tat, die erneuerbaren Energien sind eines der großen Wachstumsgebiete, der beiden großen Wachstumsgebiete, die wir bedienen. Und natürlich, sie sprechen uns an, gerade vor dem gegebenen Umfeld. Die Diskussion um Gas Stopp, der Versorgungsfrage nach Versorgungssicherheit auf dem Energiesektor, das natürlich noch mal einen riesen Schub gegeben für den Bereich der erneuerbaren Energien. Der eine Bereich, der Handel mit Solarmodulen, auch im Bereich der erneuerbaren Energien sind wir ja auf verschiedenen Feldern tätig.

Also sehr stark in der Projektentwicklung Wind und Solarprojekte, aber auch in dem Bereich des Handels mit Solarmodulen und Wechselrichtern. Hier bedienen wir in erster Linie die klassischen Solar-Installateure, die Auf-Dach-Anlagen montieren. Die Nachfrage ist weiterhin ungebrochen, hat sogar noch mal kräftig zugelegt und ich kann nur sagen wir sind lieferfähig. Wir sind der größte europäische Solarmodul Händler und verfügen natürlich aus dieser Position heraus, auch über eine bestimmte Einkaufsstärke auf den internationalen Märkten. Wir sind lieferfähig, die Lager sind gut gefüllt.

Wir können die Nachfrage auch bedienen, natürlich im Rahmen der Ressourcen, die auch bei den Solar-Installateuren überhaupt zur Verfügung stehen. Und ich gehe auch davon aus, dass das weitergehen wird. Denn die Frage, die natürlich auch insbesondere viele im privaten Bereich umtreibt, ist wie kriege ich Versorgungssicherheit? Wie kann ich eventuell Energiequellen umstellen? Und das wird sicherlich ein Trend sein, der auch in Zukunft noch stark vorangetrieben wird.

Peter Heinrich: Habe ich das so richtig verstanden? Also, dass Sie liefern können? Das ist ja schon mal genial, aber Sie helfen auch dem Kunden den Installateur zu finden und dann vielleicht auch den Tipp zu kriegen für die richtige Batteriespeichersystemtechnik.

Andreas Helber: Die Batteriespeichersystemtechnik kommt erst noch. Das ist auch ein Thema, an dem gearbeitet wird. Das ist richtig. Sagen wir mal in dem privaten Bereich, in dem wir jetzt sprachen, der natürlich auch das erste Halbjahr hier ganz stark betroffen hat, da war es natürlich im Wesentlichen der Solarmodulhandel für die Solar-Installateure. Die Beratung des Endkunden ist nicht unser primäres Geschäft.

Peter Heinrich: Alles klar das ist Ihr Geschäft. Dann gehen wir weiter ins Segment Agrar. Dort erzielen Sie in H1 einen Umsatz von 3 Milliarden € im Vorjahr waren es 2,1. Was tut sich gerade am Weltmarkt für Dünger und Weizen Preise? Wie hat der Ukraine Krieg die Preislandschaft verändert und das Verhalten indirekt natürlich als Folge der Landwirte dann.

Andreas Helber: Also zunächst mal ohne den Kollegen im Bereich der erneuerbaren Energien Abbruch zu tun. Der große Ertragsbringer im zweiten Quartal und respektive im ersten Halbjahr 2020 war eben der Agrarbereich. Eine exorbitante gute Entwicklung in allen Agrar-Segmenten, die wir bedienen. Wir sind ja hier einmal im internationalen Handelsbereich mit unseren Aktivitäten in Rotterdam, Cefetra Group und Global Produkte und hier im, wie ich das immer sage, im Domestic Market in Deutschland und in Österreich. Das starke Ertragspotenzial, das gehoben wurde im ersten Quartal, das kam eben überraschenderweise aus dem Domestic Markt.

Auch die internationalen Märkte sind stark gelaufen, aber wir haben ein sehr gutes Vermarktungsergebnis erzielen können aus der letztjährigen Ernte. Die Ernte geht ja immer im Herbst, wird erfasst und in den ersten beiden Quartalen des Folgejahres dann klassischerweise vermarktet. Und da hat unsere Getreide Abteilung, unsere Handels Kollegen, exorbitant gute Resultate erzielen können. Und das hat, das möchte ich unterstreichen, auch nichts mit der Ukraine oder mit dem Kriegsgeschehen zu tun. Denn die Kontrakte, die jetzt im ersten Halbjahr 22 bei uns realisiert wurden, die wurden bereits letztes Jahr geschlossen. Das hat also damit nichts zu tun. Stark war und das hat dann schon etwas mit der Ukraine zu tun, das Dünger Geschäft. Sie hatten es ja auch angesprochen, der Handel mit Betriebsmitteln insgesamt aber respektive Dünger.

Da kam natürlich beginnend mit dem Februar eine gewisse Versorgungsunsicherheit Versorgungsangst im Landwirtschaftssektor hinzu. Die Preise sind sprunghaft angestiegen. Warum? Weil gerade der ganze Düngemittel Markt, die ganze Düngemittel Produktion sehr stark einerseits von Russland dominiert wird. Die sind fast alle in russischer Hand, aber eben auch sehr stark von der Gaslieferungen, von der Gasproduktion abhängt. Und das hat die Preise getrieben. Hier sind auch die sogenannten Windfall profits, die wir sicherlich auch hier zu verzeichnen gehabt haben, erzielt worden. Aber das ist nur ein kleiner Teil dieses Geschäfts. Was weiter angestiegen ist, sind die Erzeugerpreise in der Erfassung der Ernte dieses Jahr. Das ist ein gutes Signal für unsere Kunden, für unsere Landwirte, die jetzt deutlich bessere Preise erzielen können, als es noch vor Jahresfrist der Fall war.

Wenn wir vor Jahresfrist Erfassungspreise hatten, ich sage mal von 200 bis 220 Euro pro Tonne hatten, dann liegen wir jetzt doch bei 330 bis 350 Euro pro Tonne, wenn wir an die Börsen schauen. Das heißt, das ist ein anderes Preisniveau, wenngleich es von dem Peak von 430/440 natürlich deutlich schon wieder zurückgekommen ist. Aber das ist eben der zweite Aspekt im Agrarbereich gute Erzeugerpreise, hohe Ernte-Erfassungspreise und das bedeutet auch, dass wir in der nächstjährigen Vermarktungssaison die beiden ersten Quartale wieder hoffen, gute Margen auch in diesem Handels-Segment zu erzielen.

Peter Heinrich: Da habe ich gleich noch zwei Rückfragen. Wie gut lief denn die Ernte? Die ist ja durch. Wir hatten ja extreme Trockenheit in Deutschland.

Andreas Helber: Also in der Tat ist die Ernte dieses Jahr früher abgeschlossen oder früher begonnen, die ist ja noch nicht abgeschlossen. Das ist nicht ganz richtig. Der Mais steht noch draußen. Gerste und Weizen in unseren Gefilden sind weitgehend, oder Gerste ist komplett durch, Weizen ist weitgehend durch. Was jetzt noch kommt im Herbst, ist der Mais, und der Mais sieht nicht gut aus, das kann man sagen. Man sieht es auch, selbst wenn man durch die Regionen fährt, insbesondere nach Nordbayern reinfährt, durch Franken fährt. Das ist alles sehr, sehr trocken dort.

Hier in Südbayern geht es noch ein bisschen besser, in Österreich auch. Wie war die Ernte? Die Schätzungen sind etwas zurückgenommen worden, die Qualitäten wird man abwarten müssen. Sehr unterschiedliches Bild, im Norden und im Süden Deutschlands. Dieses Jahr ist der Norden und Nordwesten etwas besser, was die Erträge angeht, weggekommen als der Süden und insbesondere natürlich der Osten. Da sind die Erträge relativ schwach. Insofern erwarten wir volumenmäßig eine etwas niedrigere Ernte, als im Vorjahr. Und was den Mais angeht, da bin ich allerdings relativ pessimistisch, wenn ich die Bestände anschaue. Das wird nicht viel werden. Naja, wir werden schauen.

Peter Heinrich: Das kann ich bestätigen. Ich bin aus Franken. Und wenn ich laufe, dann steht der Mais vielleicht so Brust hoch. Also es sieht schon sehr trocken aus.

Andreas Helber: Er sieht nicht nur trocken, sondern traurig aus.

Peter Heinrich: Zweite Rückfrage bleibt das Angebot bei Düngern am Weltmarkt knapp? Ja, wahrscheinlich. Und die BayWa kann trotzdem liefern? Das heißt, sie können die Versorgung ihrer Landwirte sicherstellen?

Andreas Helber: Das ist eine eine sehr spannende Frage, die Sie da ansprechen, nämlich die Einlagerung Strategie für Dünger im zweiten Halbjahr. Die Funktion der BayWa ist ja, dass wir den landwirtschaftlichen Kunden bedienen können. Zum einen mit Betriebsmitteln und zwar Just in time, dann wenn er sie braucht, oder eben auch mit der Abnahme der Ernte, was jetzt gerade das Geschäft dieser Tage hier dominiert. Und natürlich kaufen wir die Ernte auf. Das heißt, wir versuchen natürlich hier auch gute Preise zu erzielen. Zum zweiten lagern wir Düngemittel ein und das ist normalerweise das Geschäft, was jetzt nach der Ernte kommt, wenn der Herbst kommt, dass man dann Dünger einlagert.

Das wird dieses Jahr ein ganz anderes Spiel sein als in den Vorjahren, denn man wird nur sehr limitiert einlagern. Wir werden maßgeblich nur die sogenannten Back to back Geschäfte machen, das heißt nur einlagern auf Kunden Bestellungen, sodass wir das Preis Risiko nicht haben. Denn die Situation die wir jetzt haben, sind hohe Einlagerungspreise. Und dann haben sie auch immer das Risiko eines Preisverfalls. Das heißt, sollte wider Erwarten, was ich nicht glaube, ein Friedensschluss in der Ukraine erfolgen oder nur Signale dazu, dann könnte das schon eine Preisbewegungen an den Betriebsmittelmärkten, respektive im Düngerhandel auslösen.

Und wenn sie dann auf hohen und teuren Beständen sitzen, dann haben sie ein nicht unerhebliches Abwertungsrisiko in den Beständen und das werden wir sicherlich nicht nehmen. Also wir sagen im Düngerbereich wird restriktiver eingelagert und maßgeblich nur back to back, das heißt nur bei vorliegenden verbindlichen Kundenbestellungen.

Peter Heinrich: Das nächste Segment BayWa-Segment Energie das Geschäft, quasi mit Kraftstoffen und Wärme Produkten. Wie groß ist denn hier die Kundensorge von Versorgungsengpässen? Also können sie dann auch da liefern? Und bevorraten ihre Kunden jetzt schon für Herbst, Winter, Januar und die kalte Jahreszeit bis in den April hinein?

Andreas Helber: Also das kann ich bestätigen. Ja, wir sind zum einen lieferfähig. Denn es gibt ja derzeit Lieferengpass in dem Bereich Mineralöl. Aber es herrscht durchaus im Markt die Furcht vor noch weiter steigenden Preisen, gegebenenfalls auch vor Lieferengpässen. Wir Deutsche sind ja da ganz sensibel. Ich denke nur an die ganze Toilettenpapier-Thematik von vor zwei Jahren.

Peter Heinrich: Haben sie auch noch sozusagen Toilettenpapier eingefroren?

Andreas Helber: Ich nicht. Ich war auch nicht dabei. Also insofern, da nehme ich mich aus. Aber es ist ein durchaus deutsches Phänomen, solche Ängste zu bedienen. Und wir sehen es auch tatsächlich an der wirklich sehr starken Nachfrage. Sie sehen es ja auch an den an den Zahlen. Das Halbjahres Ergebnis war extrem stark und das ist ungewöhnlich, dass das zweite Quartal und wie ich weiß, hat sich das im Juli auch fortgesetzt, dass das zweite Quartal so stark ist nach der Heizperiode, die dann was weiß ich im März April endet, ist eigentlich eine eher Ruhephase bis nach den bayerischen Sommerferien. Das ist dann so Anfang September, wo es wieder auflebt.

Und momentan sehen wir auch im Juli, dass es eben durchaus stark durchgelaufen ist. Also diese Bevorratungs-Tendenzen würde ich unterstreichen. Die Furcht vor kalten Wintern, die auch wiederum aus meiner Sicht unbegründet ist, treibt offensichtlich doch.

Peter Heinrich: Nächstes Segment Bau. Na dann geh ich mal zu BayWa, bestell meine Dachziegeln, Bauholz, Fenster, Pflastersteine. Wie ist denn die Preisentwicklung bei den Baustoffen derzeit? Ich nehme an, Sie können alle Preise weitergeben?

Andreas Helber: Ja, da wo Sie es gerade angesprochen haben, wenn Sie zur BayWa gehen und Ziegel bestellen, könnte es auch sein, dass Sie auch hier bei uns teilweise etwas länger warten müssen. Also es gibt keine exorbitanten Lieferengpässe, das würde ich nicht sagen, aber einige Produkte und Material Gruppen sind durchaus verzögert. Hängt weniger mit der Ukraine Thematik zusammen, eher noch vielleicht auch mit dem Thema Covid und mit dem Thema Logistik Verfügbarkeiten. Zusammen viel was aus China kommt, oder wir hatten ja auch diese diese Sperrung des Hafens in Shanghai gesehen, der sich über Wochen hinzog.

Das sind dann Liefer-Staus, die erst aufgelöst werden müssen. Was wir gesehen haben in den letzten Jahren, kann man eigentlich schon fast sagen, waren bei bestimmten Gruppen Engpässe. Ich weiß, noch Bauholz wurde mal eng und teuer, Dämmmaterial war dies der Fall. Das hat sich im Wesentlichen aufgelöst. Wir sehen in dem Bereich, in dem wir auch tätig sind, der Belieferung von Bauunternehmen. Wir sind ja kein eigenes Bauunternehmen, wir bauen ja nicht selbst, sondern wir beliefern Bauunternehmer mit Baustoffen. Durchaus ein kleines, ich nenne es mal Hängerle in der Nachfrage auch hier ein Stück weit. Die Zinserhöhungen, die wir im Markt gesehen haben.

Peter Heinrich: Das überrascht mich schon mit dem Hängerle. Ich Ich habe eine Frage vorbereitet, so nach dem Motto sehen Sie denn eine ernste Rezession in diesem Bausektor? Wer kann sich den Bau noch leisten? Einmal wegen den gestiegenen Rohmaterialien und dann zum anderen wegen der Zinsen?

Andreas Helber: Also nun, ich nenne es bewusst Hängerle. Also eine Rezession sehe ich in diesem Bereich überhaupt nicht. Zum einen die Materialpreise sind ja immer eine Funktion von Angebot und Nachfrage und in dem Moment, wo die Nachfrage etwas stockt, gehen natürlich auch die Angebotspreise wieder runter. Das heißt, das sehen wir jetzt genau bei diesen Materialgruppen, die ich genannt hatte, wo wir Preissteigerungen gesehen haben, dass sich die Lage dort entspannt. Damit will ich sagen wir sehen es ja auch von unseren Kunden. Wir sind ja auch selber Bauherr in unseren vielfältigen Immobilien-Bereichen, wo wir Standorte bauen.

Da sehen wir es ja selber, wenn wir Ausschreibungen machen. Auf einmal kommen wieder drei oder vier Bauunternehmer, wo sie vor Jahresfrist vielleicht nur noch, wenn sie Glück hatten, einen hatten, der ein Angebot abgegeben hat. Also die Auftragslage der Bauunternehmer, der Kraft der Handwerksbetriebe in den Regionen entspannt sich etwas. Das bedeutet, sie kriegen dort wieder auch mehr mehr Verkehr auf den Markt. Die Preissituation würde ich sagen entspannt sich auch etwas. Und jetzt bleiben wir mal bei der Zins Front. Wir sehen ja am langen Ende die Baufinanzierungszinsen schon wieder nach unten kommen. Also ich bin immer noch davon überzeugt, dass es keine nachhaltige Entwicklung sein wird und dass wir, selbst wenn wir jetzt nicht mehr bei diesen 0,8 oder 1 % auf 10-jähriger Baufinanzierung liegen, sondern bei zwei oder zweieinhalb Prozent, und da sind wir aktuell ist das ja immer noch eine sehr günstige Kondition, die viele nicht davon abhalten wird zu bauen.

Momentan sehen wir es, wir machen es selber so, bestimmte Sachen werden geschoben, man wartet hin. Aber offensichtlich beginnt sich dort in diesem Segment die Lage, etwas dergestalt zu entspannen, dass ich sage, auch in Folge wird die Baukonjunktur nicht gebrochen sein. Rezession sehe ich dort nicht, wenn weiterhin viele Wohnungen viel Wohnraum benötigt wird, selbst im ländlichen Raum. Strukturwandel weg von diesen Einfamilienhäusern, hin auch zu Mehrparteien-Wohnungsbau, das sehen wir ganz klar. Und die Umweltfaktoren, dann vielleicht auch getrieben von Inflationsangst und der Angst der Menschen, was wird aus meinem Geld? Wird sicherlich noch mal einen Schub bekommen. Das wird vielleicht nicht der der Boost sein, aber ich bin wirklich positiv gestimmt auch für dieses Segment Bau für die nächsten Jahre.

Peter Heinrich: Also Immobilie ist ja doch eine Sachanlage. Ja, ich schlage vor, aus zeitlichen Gründen fassen wir zwei Segmente zusammen. Vielleicht von Ihnen ganz kurz, wie lief es im Segment Global Produce, also Obst und Gemüse und im Segment Cefetra?

Andreas Helber: Cefetra und Global Produce, das Gemüse lassen wir raus, weil wir nur im Obst dort tätig sind bei Global Produce. Das kann man auch gut zusammenfassen, weil es unsere internationalen Agrar-Handelsaktivitäten abbildet. Die Kollegen Cefetra waren anfangs, das sind diejenigen, die am stärksten getroffen wurden von dem Ukrainekonflikt, da sind ungefähr 17 Millionen Euro an Schaden entstanden. Auslieferungen aus der Ukraine, die nicht mehr erfolgen konnten und die dann eingedeckt werden mussten. Das war ein Netto Schaden von 17 Millionen Euro.

Man sieht es trotzdem nicht in der GuV, weil durch die Preissteigerungen an den Märkten die Cash Bestände oder die Long Bestände, wie wir das nennen, in anderen Einheiten, die dieser Gruppe der Cefetra-Gruppe überkompensiert wurden. Das heißt, unterm Strich hat die Preisentwicklung dafür gesorgt, dass man dort auch diesen Ukraine Schaden mehr als kompensieren konnte. Hervorragendes Ergebnis, hohe Volatilitäten, hohe Nachfrage, auch hier ein gewisses Hamster Verhalten der Kunden. Da sind unsere Großkunden wie Futtermittelhersteller und dergleichen und auch die Lebensmittelindustrie auch hier, also in einer guten Versorgungsposition. Etwas abgeschwächter das Geschäft mit Global Produce, das heißt mit dem in dem Fruchtbereich, die Vermarktung der Ernte aus der Südhemisphäre war etwas schwächer als im Vorjahr.

Denn es war noch sehr viel Ware in der Nordhemisphäre da. Und was wir gesehen haben, man merkt, dass der Verbraucher anfängt zu sparen, auch im Lebensmitteleinzelhandel. Die Nachfrage nach exotischen Früchten, Vitamin C Früchten, die vor zwei Jahren während der ganzen Covid Pandemie extrem stark war, die flaut auf einmal ab. Der Verbraucher spart offensichtlich, kauft bewusster ein und greift wieder zum Apfel anstatt zur Mango. Insofern ist dieser Bereich der der Tropical Fruit, der auch Teil dieser Global Produce ist, etwas schwächer. Aber es soll uns recht sein, Hauptsache der Kunde greift zum Apfel oder zu etwas anderem. Auch das ist wohl gelitten bei uns.

Peter Heinrich: Es ist fast so ein bisschen eine philosophische Frage, würde ich nicht sagen. Aber Blick in die Zukunft, der Klimawandel. Wasser ist ja fast ein kostbares Gut? Neben Regen natürlich auch der Boden, also die Erde, worauf wir was anbauen. Das ist ja fast das kostbarste Gut, und zwar in dieser Kombination. Wie sehen Sie den Klimawandel und wie müssen Sie sich noch mehr darauf einstellen als BayWa?

Andreas Helber: Also der Klimawandel ist da, das kann ja keiner leugnen. Wir sehen es ja auch an den Bedingungen, die sich hier in unseren Heimmärkten verändern, gerade für die Agrarproduktion. Wir haben es vermehrt mit trockenen Sommern zu tun, mit heißeren Sommern zu tun. Ich erwähne noch mal die Maiskulturen dieses Jahres. Das ist kein Spaß. Es wird also darauf ankommen. Insbesondere zum einen denkt natürlich jeder sofort an Bewässerungssysteme ist, das eine, aber auch Wasser ist ein knappes Gut.

Insofern glaube ich, die Herausforderung wird darin bestehen, resistentere Saatgut-Sorten zu finden, auf den Markt zu bringen und zu vertreiben. Das ist natürlich auch eine große Funktion, dann der BayWa. Wir entwickeln sie nicht selbst, aber darum wird es gehen, wie man mit trockeneren Böden und weniger Wasser zurechtkommt. Das gleiche bzw. was anderes gilt auch beispielsweise für die regionale Produktion von Kulturen hier, die eventuell sonst hier nicht wachsen würden. Ich spreche hier das Thema Gewächshaus Produktion an, wir haben gerade allein in den Emiraten ein Pilotprojekt veräußert, was wir jetzt abgegeben haben, aber sehr viel Know how dort gewonnen haben und das auch hier nach Deutschland und Europa transferieren wollen.

Der Plan ist, dass man auch hier beginnt, mit sehr viel effizienteren wassersparenden, energiesparenden Einrichtungen, Facilities, Lokal die Produktion zu starten, die es momentan hier vielleicht noch nicht gibt. Also alles im Zusammenhang mit Klimawandel ist auch per se eine Bedrohung für die Welt. Es ist eine eine Wandlungskomponente für die Wirtschaft, für die Landwirtschaft und für alles das was uns umtreibt. Aber die BayWa ist immer mit solchen Veränderungen konfrontiert worden und unsere Stärke war es immer, Antworten auf diese Herausforderungen zu finden. Und ich glaube, das wird uns auch in der jetzigen Phase des Klimawandels begleiten. Und wir tun ja auch einiges dafür, selbst auch im eigenen Haus, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Peter Heinrich: Schließen wir das Interview noch mit einer Zahl ab. Der Konzernumsatz stieg im zweiten Quartal im Jahresvergleich um rund 27 % auf knapp 6,7 Milliarden €. Unter dem Strich fiel ein Gewinn von gerundet 83 Millionen € an, nach 31,5 Millionen € vor einem Jahr. Sie hatten ja bereits jetzt, Ende Juli, die Prognose angehoben. Mit welcher Prognose rechnen Sie jetzt?

Andreas Helber: Nun, wir haben Ende Juli ja ad hoc den Markt informiert, dass wir und das ist ungewöhnlich genug für die BayWa mit einer konkreten Zahl für das Gesamtjahr aufwarten. Und die haben wir EBIT-mäßig für das Gesamtjahr. Sie hatten jetzt die Quartalszahlen erwähnt, auf 400 bis 450 Millionen gesetzt. Wir hatten vorher nur eine qualitative Prognose gegeben 10-20 % plus auf das Vorjahresergebnis, das lag bei 266 Millionen. Das heißt, wir wären in den Bereich 300 Millionen plus X gekommen.

Jetzt liegen wir bereits deutlich höher. Wir sind schon bei 329 Millionen EBIT nach sechs Monaten. Das heißt, wir haben noch eine Strecke von bis zu 120 Millionen zu gehen. Das glaube ich, ist durchaus machbar, je nachdem, wie die durchaus sehr undurchsichtigen Umweltfaktoren sich entwickeln. Ich denke nur an Taiwan. Ich denke auch weiterhin an einen Gasstopp aus der Russland. Aber wenn das alles einigermaßen so weiterläuft, wird das wieder ein sehr erfolgreiches Jahr für die BayWa in in der Ergebnis Range 400-450 Millionen Euro.

Peter Heinrich: Herr Helber. Ich danke Ihnen und Alles Gute für die BayWa.

Andreas Helber: Danke Ihnen ebenso. Alles Gute. Wiederhören.

Das Interview wurde im original von der Börsenradio Network AG von Vorstand Peter Heinrich geführt.

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Baywa AG
DE0005194062
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