BASF-Aktie: Die Gefahr ist noch nicht gebannt!

BASF erweitert erneut seine Produktionskapazitäten und leistet sich ein üppiges Aktienrückkaufprogramm. Über dem Chemieriesen schwebt jedoch ein Damoklesschwert.

BASF ist derzeit in Investitionslaune: Am Dienstag gab der Chemieriese nun bekannt, seine Produktionskapazitäten am US-Standort in Geismar, Louisiana für wichtige Spezial-Amine bis Mitte 2023 erhöhen zu wollen.

Amine sind Stickstoffverbindungen, die ähnliche chemische Eigenschaften aufweisen wie Ammoniak. Die sogenannten Polyetheramine und tertiären Amine vertreiben die Ludwigshafener unter den Marken Baxxodur und Lupragen.

Das Baxxodur-Portfolio von BASF wird etwa als Aushärtemittel von Kunden für die Windkraft-, Elektro- und Verbundwerkstoffindustrie eingesetzt. Die Lupragen-Produkte hingegen sind sogenannte Amin-Katalysatoren für Polyurethane (PU), die erforderlich sind, um die Reaktion der Hauptkomponenten Isocyanat und Polyol zu erleichtern. Beide Produktlinien unterstützen Firmenangaben zufolge zunehmend das Ziel der nachhaltigen Emmissionsreduzierung.

Mit rund 300 verschiedenen Aminen verfügt die BASF über eines der weltweit vielfältigsten Portfolios an chemischen Zwischenprodukten. Die Produkte werden vor allem bei der Herstellung von Prozesschemikalien, Pharmazeutika und Pflanzenschutzmitteln verwendet sowie von Kosmetika und Waschmitteln. Sie dienen zudem zur Herstellung von Beschichtungen, Spezialkunststoffen, Verbundwerkstoffen und Spezialfasern.

Erweiterung der Produktion von Batteriematerialien

Bei Spezialchemikalien für die Industrie hat der DAX-Konzern einen weltweiten Marktführerstatus. Das Unternehmen hat jedoch auch längst begriffen, dass in der global schnell wachsenden Nachfrage nach Batteriematerialien der Elektroauto-Industrie ein Riesengeschäft schlummert.

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Um dieses Potenzial besser auszuschöpfen, erweitert BASF Shanshan Battery Materials (BSBM), ein chinesisches Joint Venture mit Mehrheitsbeteiligung der Ludwigshafener, nun seine Produktionskapazitäten an den Standorten Changsha und Shuizushan. Das gab der deutsche Chemieriese vor zwei Wochen bekannt.

Die neuen Kapazitäten will BSBM demnach bereits im Dezember-Quartal in Betrieb nehmen. Mit dem Erweiterungsprojekt wird das Joint Venture den Angaben nach eine jährliche Kapazität von 100 Kilotonnen für Kathodenmaterialien erreichen.

BSBM wird in den neuen Fertigungslinien den Angaben nach außerdem erstmals in der Batterieindustrie Technologien zur Energierückgewinnung einsetzen – einschließlich Abgas-, Abwärme-, und Sauerstoffrecycling. Ferner werden im Rahmen des Erweiterungsprojekts „branchenführende Standards für die Prozessgestaltung, das Management der Produktionsumgebung und die Staubkontrolle“ eingeführt.

Öl- und Gastochter Wintershall Dea belastet den DAX-Konzern

BASF tut gut daran, auch im Bereich der Kathodenmaterialien eine konsequente Nachhaltigkeitsstrategie zu verfolgen. Das erklärte Ziel des Chemieriesen ist es schließlich, eine konzernweite Kreislaufwirtschaft zu etablieren, um sein weiteres Wachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln.

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Natürlich müssten sich die Ludwigshafener zu diesem Zweck auch von Geschäftseinheiten trennen, die nicht mehr in das neue Selbstverständnis passen – wie die Öl- und Gas-Tochter Wintershall Dea. Seit der Eskalation des Ukraine-Konflikts ist dem BASF-Vorstand die Sparte für fossile Energieträger erst recht ein Dorn im Auge.

So musste der Chemie-Konzern für das Auftaktquartal aufgrund seiner Öl- und Gaseinheit einen unerwarteten Rückgang des Nettoergebnisses melden. Der Grund: Wintershall, das das Nord-Stream-2-Projekt mitfinanziert hatte, musste für die aufgegebene Ostseepipeline über eine Milliarde € abschreiben.

Die Trennung von seiner Old-Economy-Sparte mittels eines Börsengangs hat BASF aufgrund des Russland-Engagements des Gemeinschaftsunternehmens jedoch vorerst aufgegeben, erklärte das Unternehmen im April.

Weiterhin Sorgen um ein Gas-Embargo

Doch auch wenn die langfristige Strategie beim Chemieriesen stimmig ist, gibt das derzeitige Makro-Umfeld Anlass zur Sorge. Ende Februar hatte der Vorstand aufgrund von Materialknappheiten und steigenden Preisen für das laufende Jahr rückläufige Einnahmen und Margen angekündigt und damit einen Kursrutsch der Aktie verursacht.

Seit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine schwebt zudem ein massives Damoklesschwert über den Ludwigshafenern. Da BASF vorerst in hohem Maße vom Erdgas aus Russland abhängig bleiben wird, stellt der Krieg und der daraus resultierte Gaslieferstreit eine starke Belastung für den DAX-Konzern dar.

CEO Martin Brudermüller hatte schon im April vor den dramatischen Folgen eines Gas-Embargos für sein Unternehmen gewarnt. Würde der Kreml den Gashahn zur Hälfte zudrehen, drohe bereits ein Produktionsstopp im Ludwigshafener Werk – mit 40.000 Mitarbeitern der größte Chemie-Standort der Welt.

Hohes politisches Risiko

BASF-Aktionäre haben es angesichts der Widrigkeiten derzeit nicht leicht: Die Aktie rutschte seit Jahresbeginn um über -30%  ab auf nunmehr rund 43 €. Für Neueinsteiger sorgt das auf der anderen Seite jedoch für erstklassige Multiplikatoren: ein vergleichsweise niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (2022e: 9,0) und eine der höchsten Dividendenrenditen im DAX (2022: 8,0%). Für den Titel spricht außerdem, dass das Management die Kursschwäche für ein üppiges Aktienrückkaufprogramm nutzt.

Angesichts der politischen Risiken für den Chemiekonzern rate ich Interessierten aktuell jedoch dazu, bei der BASF-Aktie an der Seitenlinie zu bleiben. Wer bereits investiert ist, bleibt vorerst dabei und hofft auf eine baldige Deeskalation in der Ukraine.

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