Aves One AG: Interview mit Vorstand Jürgen Bauer auf der Münchener Kapitalmarkt Konferenz

Sehr geehrter Herr Bauer, wir haben im Rahmen der mkk ja bereits mehrfach miteinander gesprochen. Insofern ist wohl eine Vorstellung Ihres Unternehmens nicht mehr notwendig, interessierte Anleger wissen, um was es bei der Aves One geht. Daher berichten Sie doch einfach mal was sich im letzten Jahr bei Ihrer Gesellschaft so alles getan hat.

Antwort von Jürgen Bauer: Wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019 massiv in den Eisenbahnbereich investiert. Im Gegenzug haben wir im Containerbereich kaum investiert, mit Ausnahme in Landcontainerbereich/Wechselbrücken. Allerdings halten sich diese Investitionen im Verhältnis zur Gesamtinvestitionssumme noch immer im Rahmen. Der Trend mit Fokus auf das Eisenbahngeschäft („Rail“) dürfte auch 2020 weiter gehen.

Mit der Geschäftsentwicklung in 2019 sind Sie dementsprechend zufrieden?

Antwort von Jürgen Bauer: Wir haben Ende November unsere Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt, die im Rahmen der Erwartungen lagen. Daher haben wir auch nochmal unsere eigenen Prognosen für das Gesamtjahr 2019 bestätigt. Demnach rechnen wir weiterhin für das abgelaufene Geschäftsjahr 2019 mit einem Jahresumsatz von mehr als 110 Mio. Euro sowie einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von mehr als 80 Mio. Euro. Bis wir erste vorläufige Zahlen haben, wird es aber noch etwas dauern.

Bereits letztes Jahr haben wir an dieser Stelle Themen wie den Brexit oder den Handelskrieg zwischen den USA und China thematisiert und versucht die Auswirkungen auf Ihr Unternehmen zu eruieren. Beide Themen schwelen immer noch und belasten sicherlich die Weltwirtschaft. Aber weiterhin nicht Ihr Unternehmen? Wirklich?

Antwort von Jürgen Bauer: Da wir in Großbritannien nicht operativ tätig sind, merken wir vom Thema Brexit nichts. Wir haben derzeit auch nicht vor dort zu investieren. Wenn das Thema jedoch mal vom Tisch ist, könnten sich Chancen ergeben. Das muss man jedoch dann abwägen.

Der Handelskrieg zwischen den USA und China macht sich leicht bemerkbar. So sind im vergangenen Sommer beispielsweise die Preise für Neucontainer gefallen. Derzeit hoffen jedoch alle auf ein baldiges Ende des Handelskriegs. Gerade im Vorfeld der anstehenden US-Präsidentschaftswahlen rechnen viele Marktteilnehmer mit einer Einigung. Allerdings handelt es sich hier ohnehin um ein Jammern auf sehr hohem Niveau. Von zyklischen Tiefs, wie in Rezessionszeiten gesehen, sind wir meilenweit entfernt.

Konnten Sie eventuell von diesen Preisrückgängen bei Containern profitieren, in dem sie diese günstig zugekauft haben?

Antwort von Jürgen Bauer: Nein, denn wie eingangs bereits erwähnt haben wir in diesem Bereich nicht besonders stark investiert. Wir waren schon 2019 in diesem Segment nicht sehr aktiv und gehen Stand heute davon aus, dass sich dies auch 2020 nicht großartig verändern wird. Ganz im Gegenteil, hier werden wir eher Positionen reduzieren.

Als Unternehmen, dass ja im Logistikbereich tätig ist, müssten Sie ja einen sehr guten Einblick auf die generelle Verfassung der Weltwirtschaft haben. Wie sehen Sie diese aktuell?

Antwort von Jürgen Bauer: Unser Containergeschäft adressiert die globalen Märkte, unser Eisenbahngeschäft konzentriert sich hingegen auf Mitteleuropa. Die gesamtwirtschaftliche Verfassung zeigt sich dabei recht stabil.

Zuletzt war es sogar so, dass wir in bestimmten Bereichen, insbesondere im Railgeschäft, Nachholbedarf bei unseren Kunden gesehen haben. Dies wiederum hat dazu geführt, dass die Vorlaufzeiten für die Auslieferungen neuer Eisenbahnwaggons deutlich gestiegen sind.

Profitieren Sie eigentlich von der Fridays-For-Future Bewegung?

Antwort von Jürgen Bauer: Kurzfristig hat dies kaum bzw. keinerlei Auswirkungen auf unsere Geschäftsentwicklung. Langfristig sieht das anders aus. Da könnte das Auswirkungen haben, da Güterzüge deutlich weniger Energie verbrauchen und somit auch weniger umweltbelastende Schadstoffe ausstoßen als vergleichbare benötigte Flotten an Lastkraftwagen für den Transport der Waren. Zudem fahren Güterzüge heute schon relevant mit elektrischem Strom, der aus erneuerbaren Energien kommt.

Schaut man sich die Bahnstrecken weltweit näher an, stellt man fest: Europa, insbesondere Deutschland, liegt hier im Mittelfeld. Stark im Kommen ist hingegen Asien, ganz besonders China. Wäre China bzw. generell Asien somit nicht ein interessanter Markt für die Aves One?

Antwort von Jürgen Bauer: Märkte außerhalb Europas haben völlig andere Marktdynamiken. Um dort erfolgreich sein zu können, müssen Sie vor Ort sein. Sonst können sie diese Marktdynamiken nicht verstehen. Von Europa ausgehend in solche Märkte zu gehen, halte ich für nicht sehr sinnvoll und daher riskant. Darüber hinaus sind die Chancen, die die europäischen Märkte bieten, einfach noch zu groß, so dass es keine Notwendigkeit gibt, dort hinzugehen.

Was halten Sie denn vom chinesischen One Belt, One Road-Projekt?

Antwort von Jürgen Bauer: Das Thema gibt es schon lange. Ich kenne es seit 20 Jahren. Medienmäßig wird die Sache alle paar Jahre immer wieder sehr hochgespielt. Es werden zwar über diese Strecke immer mehr Güter transportiert. Zu einer Verlagerung von Transporten über den Seeweg ist es aus meiner Sicht jedoch nicht gekommen. Es ist zwar eine Option vor allem für hochpreisig zeitsensible Güter aber wesentlich teurer als der Seeweg und wird deswegen die Transportströme von Ost nach West bereichern aber nicht revolutionieren.

Sie beobachten den Markt aber sehr genau, haben also ein Auge drauf?

Antwort von Jürgen Bauer: Ja, wir beobachten die Entwicklungen. Entscheidend wird es sein, wo in Continental-Europa über die Breitspur ankommende Waren dann auf Normalspur und somit auf europäische Waggons umgeladen werden. Diese Infrastrukturprojekte, die also Breitspurtrassen aus dem Osten nach Europa ziehen sollen, sind aber politisch teils umstritten und daher in Ihrer Umsetzung nicht wirklich weitergekommen.

Herr Bauer, ich bedanke mich – wie jedes Jahr – für dieses sehr interessante Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg auf Ihrem Weg.