All for One Group: Exklusiv-Interview mit CFO Stefan Land über die Jahresergebnisse!

594

Unser heutiger Interviewpartner ist der CFO der All for One Group, Stefan Land.

Selbst während der Corona-Pandemie sind die Berater der All for One Group SE für ihre Kunden da. In den Jahreszahlen 2019/20 ist die Pandemie zwar spürbar, auf die Rückkehr zur Normalität sehen sie sich die Digitalisierer jedoch gut vorbereitet. Ein Abonnement-Modell für den Umstieg auf SAP S/4HANA und jetzt die geplante Akquisition von SNP-Polen verdeutlichen umso mehr die Wachstumsperspektiven im Bereich Digitalisierung. Im Interview: Stefan Land, CFO der All for One Group SE.

Stefan Land, CFO All for One Group

Herr Land, bevor wir zu den Zahlen kommen würde mich zunächst interessieren, wie es Ihren Kunden in der Corona-Krise bisher ergangen ist?

S. Land: Einfache Antworten gibt es hier nicht. Selbst innerhalb ein und derselben Branche sind die Unterschiede erheblich. Natürlich haben wir uns sofort gefragt, welche Leistungen benötigen unsere Kunden in der Krise ganz besonders. In sehr kurzer Zeit waren wir mit Schnellstartpaketen, etwa für Kurzarbeitergeld oder für virtuelles Arbeiten, am Markt. So konnten wir erneut zeigen: wir sind auch jetzt zu 100 Prozent für Euch da.

Wie sind Ihre Jahreszahlen 2019/20 vor diesem Hintergrund einzuordnen?

S. Land: Wir fahren diszipliniert und verantwortungsbewusst durch die Krise. Gleichzeitig treiben wir unsere eigene Transformation gezielt voran. Unser Geschäftsjahr 2019/20 haben wir trotz »Covid-19« sehr stabil abgeschlossen. Rezessionsbedingt sind wir zwar insgesamt nicht gewachsen, die Struktur unserer Erlöse hat sich jedoch klar verbessert.

Welche Auswirkungen hatte Covid-19 auf Ihre Jahreszahlen 2019/20?

S. Land: Der starke Rückgang der Lizenzerlöse hat viel mit »Covid-19« zu tun. Auch zuvor jedoch waren hier bereits konjunkturbedingte Rückgänge spürbar. Dass wir seit »Covid-19« hingegen sogar SAP S/4HANA fast ohne Vorort Präsenz einführen, hätte niemand für möglich gehalten. Nicht nur bei uns entfallen damit erhebliche Reisekosten. Die Auslastung unserer Berater ist wegen »Covid-19« insgesamt etwas beeinträchtigt.

Anstatt Reisezeit unproduktiv im Auto zu verbringen, sind wir in Summe jedoch noch stärker für unsere Kunden tätig. »Remote Consulting« wird daher von den Kunden nicht nur akzeptiert, sondern sogar geschätzt. Solche Veränderungen helfen uns jetzt bereits bei unserer eigenen Transformation. Die genauere Abbildung in den Zahlen lässt sich jedoch erst nach Rückkehr zur Normalität vollständiger beurteilen.

Können Sie hier etwas konkreter werden?

S. Land: Im Cloud Geschäft, also bei unseren Erlösen mit Cloud Services und Support, konnten wir erneut gut zulegen, plus 9% auf 77,1 Mio. EUR. Auch die Software Support Erlöse haben wir gesteigert, um 5% auf 109,3 Mio. EUR. Beides zusammengenommen bezeichnen wir als wiederkehrende Erlöse.

Sie stärken und stabilisieren unser Geschäft und sind daher besonders wichtig. Trotz Pandemie konnten wir hier um 7% auf insgesamt 186,4 Mio. EUR wachsen. Ihr Anteil am Gesamtumsatz macht nunmehr 52% aus. Sie sehen, die guten Fortschritte unserer Transformation kommen zunehmend auch in unseren Zahlen an, trotz »Covid-19«.

Wie wir aus der Grafik entnehmen können, sind Ihre Lizenzumsätze um 38% zurückgegangen, Ihre Beratungserlöse hingegen liegen fast exakt auf dem Niveau des Vorjahres. Wie ist dieser Trend nachzuvollziehen?

S. Land: Auch das hängt mit dem guten Fortschritt unserer Transformation zusammen. Wir beraten vermehrt bei sensorgesteuerten Geschäftsabläufen, also IoT und Machine Learning, zu Fragen der Informationssicherheit, sprich, Cyber Security und Compliance. Stark gefragt sind wir auch bei agiler Zusammenarbeit.

Wir nennen das New Work, besser vielleicht »Collaboration«. Zudem sind wir vermehrt auch für Großunternehmen mit mittelständischer Prägung, also, für den gehobenen Mittelstand tätig. Sie sehen, wir erweitern unser Spielfeld. Unsere Beratungsumsätze sind heute bereits sehr viel weniger von einem volatilen Lizenzgeschäft bestimmt.

Das EBIT stieg um über 50 Prozent. Worauf ist dies zurückzuführen?

S.Land: Das EBIT 2018/19 war mit hohen Einmalaufwendungen belastet. 7 Millionen Euro hatten wir hier initial für die Strategieoffensive verbucht. Gegenüber dem vergleichbaren Niveau des Vorjahres blieb unser EBIT 2019/20 leicht zurück. Die guten Fortschritte unserer Transformation werden dennoch sichtbar. Im Segment LOB, Lines of Business, also Fachbereichslösungen, erzielen wir mittlerweile bereits eine EBIT-Marge, die über der Marge unserer Gruppe liegt – obwohl wir hier erst vor einigen Jahren gestartet sind.

Sie hatten eine erneute Dividende von 1,20 Euro pro Aktie angekündigt. Bleibt es dabei?

S. Land: Wir werden in der Tat erneut eine Dividende von 1,20 EUR je Aktie an die Aktionäre vorschlagen.

Haben Sie während der Pandemie neues Personal eingestellt? Denn die Anzahl Ihrer Mitarbeiter ist nahezu unverändert.

S. Land: Ja, unsere Mitarbeiterbindung liegt zwar sehr hoch, aber nicht bei 100 Prozent. Mit Neueinstellungen waren wir nur vorübergehend etwas vorsichtig. Würden wir keine neuen Talente rekrutieren, bekämen wir dies rasch zu spüren. Der hohe Fachkräftemangel hat sich nur vorübergehend etwas entspannt. Nach der Krise dürften wir ihn stärker denn je erleben.

Vielen Dank für diesen Einblick! Nun haben Sie bekannt gegeben, dass die All for One Group internationaler werden will. Was soll sich damit ändern?

S. Land: Unsere interne Kommunikation erfolgt bis dato primär in Deutsch. Trotzdem wollen wir in allen Bereichen vermehrt auch englischsprachige Talente für uns gewinnen, nicht nur zur Dämpfung des Fachkräftemangels. In Projekten mit großen Kunden erfolgt vieles nur auf Englisch. Auch hier müssen wir internationaler werden.

Vertriebsseitig liegt unser Fokus jedoch weiterhin auf der D A CH Region. Als USP für den Support unserer vielen internationalen Kunden dient uns hier unsere internationale Partnerallianz United VARs. In über 100 Ländern sind wir so mit starken lokalen Partnern vor Ort. In 2020 wurde unsere Allianz von SAP erneut mit einem weltweiten Pinnacle Award für ihre Performance ausgezeichnet.

Auch haben Sie kommuniziert, das bis 2027 SAP-Anwendungen auf SAP S/4HANA umsteigen sollen. Können Sie hier etwas über Ihren Ansatz erzählen?

S. Land: Innovation erfordert permanentes Agieren. Daher ist es nur folgerichtig, dass wir unsere Leistungen auf kontinuierliche Services, sogenannte »Subscription-Modelle« ausbauen. Dazu haben wir, vereinfacht gesagt, Transformation und Innovation zusammengeführt und in ein Abonnement-Modell gepackt. Das vermarkten wir als Conversion/4. Den individuellen Zuschnitt und die Höhe der monatlichen Subskription ermitteln wir für jeden Kunden individuell aus unzähligen Optionen mit Unterstützung unseres Online Konfigurators. Digitalisierung wird damit für ein Unternehmen über Jahre hinaus fest kalkulierbar. Sie können sich davon auf unserer Homepage auch selbst ein Bild machen.

Wie kommt das Abonnement-Modell bei den Kunden an?

S. Land: Trotz »Covid-19« ist die Resonanz bereits enorm. In sehr kurzer Zeit haben wir die ersten Kunden bereits abgeschlossen. Rezessionsbedingt werden viele Gespräche aktuell jedoch selten zur Unterschrift führen. Die große Welle erwarten wir erst nach Rückkehr zur Normalität.

Bei CONVERSION/4 arbeiten Sie von Beginn an eng mit SNP zusammen. Sie haben dazu sogar angekündigt, die Mehrheit an der SNP Tochter in Polen übernehmen zu wollen. Was ist der aktuelle Stand und welche Überlegungen stehen dahinter?

S. Land: Auch dieser geplante Schritt steht in einem engen Zusammenhang mit unserem Abonnement-Modell für den Umstieg auf SAP S/4HANA, dem Fachkräftemangel und die Veränderung unseres Marktes in den nächsten Jahren. Mit SNP-Polen werden wir einen top SAP-Dienstleister, Managed Service und Application Service Provider mit sehr viel Erfahrung und Know-how in unsere Gruppe integrieren und für unsere gemeinsamen Kunden, Mitarbeiter, die SNP-Partnerschaft und unsere Aktionäre eine Win-Win Situation erreichen. Sehen Sie es mir jedoch nach, wenn ich Näheres erst nach dem Closing im Frühjahr berichten werde.

Zum Abschluss möchte ich den Blick in die Zukunft richten. Wie dürfte wohl das “Neue Normal” der All for One Group durch Corona aussehen?

S. Land: Wir haben in der Krise viel gelernt und wollen unsere Hausaufgaben weiter konsequent abarbeiten. Auch in der Krise spiegelt uns der Markt klar wider: wir investieren in die richtigen Themen, die nun mehr denn je gefragt sind. Dabei werden wir agiler, offener für neue Entwicklungen und werden unseren Kunden ganzheitlich bei ihrer Transformation in eine Digitale Welt zur Seite stehen. Damit schaffen wir einen messbaren Mehrwert.

Ich bedanke mich herzlich für Ihre Zeit, Herr Land. Dazu wünsche ich Ihnen und Ihren Mitarbeitern weiterhin alles Gute für die Zukunft!

All for One Group Forum

0 Beiträge
Hatte mich bei 58,2-58,4 € auf die Kaufseite gestellt, aber nur wenige Stücke bekommen. Da war genug
0 Beiträge
Markt ja ganz gut aufgenommen .. hm
0 Beiträge
bei Wikifolio und Danke für deine fundierten und sachlichen Beiträge! Viel Glück auf deinen neuen be
517 Anleger erhalten Nachrichten und Analysen zu All for One Group per E-Mail

Die auf finanztrends.de angebotenen Beiträge dienen ausschließlich der Information. Die hier angebotenen Beiträge stellen zu keinem Zeitpunkt eine Kauf- beziehungsweise Verkaufsempfehlung dar. Sie sind nicht als Zusicherung von Kursentwicklungen der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren ist risikoreich und birgt Risiken, die den Totalverlust des eingesetzten Kapitals bewirken können. Die auf finanztrends.de veröffentlichen Informationen ersetzen keine, auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtete, fachkundige Anlageberatung. Es wird keinerlei Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden übernommen. finanztrends.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinen Einfluss und vor Veröffentlichung sämtlicher Beiträge keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand dieser. Die Veröffentlichung der namentlich gekennzeichneten Beiträge erfolgt eigenverantwortlich durch Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen o.ä. Demzufolge kann bezüglich der Inhalte der Beiträge nicht von Anlageinteressen von finanztrendsw.info und/ oder seinen Mitarbeitern oder Organen zu sprechen sein. Die Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen usw. gehören nicht der Redaktion von finanztrends.de an. Ihre Meinungen spiegeln nicht die Meinungen und Auffassungen von finanztrends.de und deren Mitarbeitern wider. (Ausführlicher Disclaimer)